Aus 29 Wörtern werden 19 Wörter. Das Phänomen der Jugendsprache

„Was machst du so? ich habe Langeweile und keinen Plan, was ich machen soll. Vielleicht komme ich nach Berlin, as soon as possible!! Call you tomorrow. Grüße und Küsse.“ 

„Wms? hab lw und kp was ich machen soll. vlt komme ich nach BLN asap!! call u 2moro. guk“ 

— von Janni Nagel

In den letzten Jahren hat die Jugend eine neue Sprache entwickelt. Es sind nur fünf Jahre, die meinen jüngeren Bruder und mich trennen und doch ertappe ich mich immer wieder, wie mir Google dabei hilft, die vielen Abkürzungen aus seinen Nachrichten zu übersetzten. Es ist an der Zeit, in Bezug auf die Kommunikation in den sozialen Medien, die Generationen neu einzuteilen. Zwischen den Jahren 1996 und 2001 ist nicht auffällig viel passiert. Heute aber leben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in mancher Hinsicht in zwei unterschiedlichen Welten.

Das Thema regt zu Diskussionen an. Die einen befürchten einen Verlust der vollständigen und deutlichen Sprache bei den Heranwachsenden, die anderen sind fasziniert von der Kreativität der jungen Menschen. „Fanta – Fahre noch tanken“ — da muss man erst mal drauf kommen.

Die deutsche Linguistin Christa Dürscheid setzte sich für das Zürcher Kompetenzzentrum Linguistik  intensiv mit dem Thema der Sprache von Jugendlichen auseinander. Anhand von 1000 ausgewerteten Texten von Kindern und Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren, konnte ausgeschlossen werden, dass die privaten Gewohnheiten und Bräuche des Schreibens das schulische Schreiben beeinflussen. Weitaus schwieriger ist es zu beurteilen, ob der private, mündliche Sprachgebrauch in den Schulen Auswirkungen zeigt.

Die Reduktion der Kommunikation in Form von Abkürzungen begegnet einem selten im alltäglichen Sprachgebrauch. Viel mehr werden sie bei Instagram, Snapchat oder beim Playstation spielen genutzt. Aus Gesprächen und Umfragen geht hervor, dass die Jugendlichen einfach „Zeit sparen“ oder „zu faul“ sind, die Wörter auszuschreiben.

Mögliche Folgen der neuen Schreibweisen sind wegen ihres jungen Alters  größtenteils unerforscht. Es bleibt abzuwarten, ob sich nicht doch irgendwann ein ev statt einem eventuell in eine Klassenarbeit schmuggelt.

Für alle, die vor dem Jahr 2000 geboren wurden und Zeit sparen möchten: das neue Einmaleins der Jugend. Wohlmöglich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Abkürzungen in den Lehrplan aufgenommen werden.

  • ev – eventuell
  • fm – freut mich
  • gg – ganz gut
  • wmds – was machst du so
  • mmn – meiner Meinung nach
  • kk – alles klar
  • hdm –  halt den Mund
  • cu – ciao
  • guk – Gruß und Kuss