Mit dem Ausstieg des weltweit führenden Medienunternehmens Disney verliert Netflix nächstes Jahr einen der größten Kooperationspartner. Nach dem Auslauf des Vertrags in 2019 wird The Walt Disney Company die Lizenzen nicht verlängern und einen eigenen Streamingdienst eröffnen. Netflix‘s Chief Content Manager Ted Sarandos erzählt im Interview, was Netflix und seine Zuschauer nun erwartet.

– von Katharina Maria Reddemann

Ted Sarandos leitet seit 2000 den Bereich der Content-Akquisition und ist somit zuständig für das Einkaufen und Produzieren von Formaten. Mittlerweile unterstehen ihm weltweit sämtliche Teams, die für den Erwerb und die Schaffung von Originalserien und -filmen verantwortlich sind.

In einem Interview mit der amerikanischen Zeitschrift Variety erzählt Sarandos, das Netflix eine Zukunft ohne Disney und grundsätzlich ohne jegliches großes Medienunternehmen plant.

Ted Sarandos

Ted Sarandos

„Ich würde sagen, dass die Beziehung zwischen Studios und Sendern schon immer eine Art Hass-Liebe war“ – Sarandos.

Sarandos sieht dem Ausstieg von Disney nicht negativ entgegen. Da sich der Netflix-Algorithmus vor allem auf den individuellen Streaming-Konsum des Nutzers bezieht, können hierbei die Kundenbedürfnisse erschlossen und der Content angepasst werden. Lizensierte Inhalte seien laut Sarandos zwar auch wichtig, bringen aber aus Erfahrung kaum noch neue Abonnenten. Auch Disney-Formate schauen sich Netflix-Nutzer verhältnismäßig wenig an.

Bis 2019 will Netflix 50% Eigenproduktion erreichen

Für eigene Produktionen gibt Netflix jährlich mehrere Milliarden Dollar aus. Darüber hinaus fokussiert sich Netflix auf Kooperationen mit Filmstudios, um alleinige Filmrechte zu erhalten. In der Werbeveranstaltung „See what’s next“ in Rom, spricht Ted Sarandos darüber, wie wichtig internationale Projekte zukünftig sind:

„Netflix ist zu einem der führenden Produzenten und Distributoren Europas hinsichtlich Serien und Filme in der ganzen Welt und vor allem für die ganze Welt geworden. In den letzten vier Jahren haben wir in 17 verschiedenen Ländern außerhalb der USA produziert, dazu gehören unter anderem Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Island. Wir haben mit Filmemachern und Schauspielern weltweit zusammengearbeitet und sowohl auf Englisch, als auch auf der jeweiligen Sprache produziert, um neue Hit-Serien wie beispielsweise die deutsche Serie „Dark“ oder Spaniens „La Chicas del cable“ zu kreieren.“

In den nächsten paar Jahren will Netflix auf über 100 international produzierte Shows kommen. Damit wäre Netflix der führende Streamingdienst internationaler Eigenproduktionen.

Stranger Things als global kulturelles Phänomen

Ted betont im Interview vor allem den Erfolg, den die U.S. Serie Stranger Things einbrachte. Er bezeichnet die Serie als „global kulturelles Phänomen“, welches es von Spielzeugregalen über eine eigene Topshop-Kollektion sogar auf den Laufsteg der Pariser Fashion Week geschafft hat. Er ist der Überzeugung, dass die großen Serienerfolge nicht mehr nur aus den USA stammen, sondern zukünftige Staffeln von Stranger Things an jedem Standort weltweit produziert werden könnten:

“Während neue Formate in Europa für lokale Zuschauer produziert werden, verbinden diese sich gleichzeitig mit Zuschauern von überall.“

Lizensierter Content weiterhin wichtig

Trotz der erfolgreichen Eigenproduktionen wollen Netflix-Abonnenten weiterhin beliebte Serien und Filme sehen. Da die Preise steigen und immer wieder Content von der Plattform genommen wird, muss sich Netflix durch andere Faktoren attraktiver präsentieren. Laut Sarandos hat Netflix dabei eine ganz spezielle Vision:

„…Wir sehen Netflix mehr als eine Art Museum, in dem die Zuschauer ihre eigenen Erlebnisse auswählen. Unser Service ist es, ihnen die Werkzeuge zu bieten, sodass sie die exakt richtige Show für sich finden.“

 

Bild: Ted Sarandos Creative Commons Attribution 2.0 Generic Autor: Danny Benavides

Beitragsbild: Netflix vs. Disney Autor: Dominic Smith Credits to: cerillion.com

Welche international produzierten Serien und Filme bisher von Netflix veröffentlicht wurden, könnt ihr hier nachlesen.