Der Tod von Star DJ Avicii am 20. April 2018 kam ohne jene Vorwarnung. Seitdem sich die Familie zu dem tragischen Ereignis geäußert hat, wird spekuliert: Alkoholsucht, Erfolgsdruck, Selbstmord. Doch Avicii ist kein Einzelfall– viele Prominente gehen an ihrem Job kaputt. Psychotherapeutin Katharina Hanf-Dressler erklärt, wie man dem ständigen Erfolgsdruck in solch einer Branche standhalten kann. 

– Von Melisa Daglar

Heute bist du In, morgen Out. Im Rampenlicht zu stehen ist nicht immer ein Vergnügen. Stars versuchen mit der Schnelllebigkeit der Branche mitzuhalten und so lange es geht in aller Munde zu sein. Jeder Deal wird angenommen– unabhängig von psychischer oder physischer Belastung. Denn die Angst, eine große Chance zu verpassen und auch mal „nein“ zu sagen, ist riesig. Doch was tun, damit der Erfolgsdruck nicht wie im Fall Avicii endet?

Der deutsche und international erfolgreiche DJ Felix Jaehn wird ähnlich wie Avicii mit nur 20 Jahren zum Weltstar. Im Interview mit Red erzählt der Hamburger, dass er auf Tour keinen Alkohol trinkt. „Das ganze ist total intensiv, total viele Eindrücke, total viele Auftritte. Da muss man wirklich diszipliniert sein und sich seine Pausen suchen, damit man den Job solange wie möglich machen kann“, so Felix Jaehn. 

Psychotherapeutin und Geschäftsführerin von Hypnos®, Katharina Hanf-Dressler, klärt uns auf und erklärt, wie man dem Erfolgsdruck standhalten kann. Die gebürtige Berlinerin hat Geisteswissenschaften studiert und Ausbildungen in Psychopathologie, Klinischer Hypnose und Energetischer Psychologie gemacht. 2003 gründet sie zusammen mit Nikolai Hanf-Dressler das Zentrum für Hypnose und betreut seitdem Menschen mit Ängsten, Phobien, Depressionen und ähnlichen Themen bei hypnotherapeutischen Sitzungen.

Wie entsteht der bekannte „Erfolgsdruck“ bei Prominenten und der damit verbundene Wahn nach Drogen? 

„Es ist der Druck von außen. Das Plattenlabel, das großartige Verkaufszahlen und brillante Interviews erwartet, die Fans, die sich wünschen, man möge auf ganz bestimmte Weise sein, die Eltern mit ihren Erwartungen an finanziellen Erfolg und gutes Ansehen.

Dann gibt es aber auch noch die andere Komponente des Drucks: Das ist der Erfolgsdruck, den sich der Künstler selbst erschafft. Nicht wenige Künstler haben in ihrem Kern eine ausgesprochen unsichere, besonders nach Bestätigung und Anerkennung strebende Persönlichkeit, sind sehr empfindsam und daher leicht verletzbar. Oftmals ist genau dieses aus der Unsicherheit geborene Streben, der Motor hinter ihrer Kreativität, ihrem Getriebensein oder ihrem Perfektionismus.  

Drogen, auch Alkohol, sind naheliegende Lösungsversuche für das Problem des Drucks. Sie sind in der Regel leicht verfügbar, gehören irgendwie auch zum Lifestyle und scheinen zunächst zu funktionieren. Sie machen erst einmal lockerer und selbstsicherer, lindern Ängste, lenken ab und füllen Leere.“

Wie können Stars den Umgang mit Drogen bei Erfolgsdruck umgehen? 

„Indem sie sich den dahinterstehenden Mechanismus vor Augen führen und – das würde ich persönlich für ideal halten – eine ganz klare Wahl für sich treffen: Hier besteht eine Gefahr, ich sehe sie und wähle für mich, clean zu bleiben. Toll ist, wenn sie einen guten Coach an ihrer Seite haben. Und zwar von Anfang an. Ich träume von einem Showbiz, in dem ein gutes Management seinem Künstler nicht nur einen Hair- & Make-up-Menschen und einen Promoter zur Verfügung stellt, sondern auch jemanden, der sich um ihre emotionalen Themen kümmert.“

Was wäre aus psychologischer Sicht ein anderes Ventil, um den Berufsstress und zu verarbeiten? 

„Ich glaube, dass die Verbindung zu den Menschen, die nicht das Showbiz repräsentieren, essenziell ist, um Erdung zu behalten. Zu Eltern, Geschwistern, den alten Freunden. Zu Leuten, die dich schon liebten, als Du noch kein großer Name warst. Das ist ein fantastisches Fundament. Sport ist ebenfalls toll zum Druck ablassen. Und, wie schon erwähnt, die Techniken, die Dir ein Coach oder Therapeut vermitteln kann.
Alle Künstler, die wir bei Hypnos® betreuen, erlernen zum Beispiel die Tiefen-Selbsthypnose. Schneller und tiefer kann man kaum entspannen. Mit dem Therapeuten die Vergangenheit aufzuräumen, um keinen alten Ballast mit sich herumzuschleppen, tut enorm gut. Ankertechniken sind klasse, um Erregungszustände zu regulieren. Dich also runterzubringen, wenn du aufgeregt bist und dir einen Kraftschub zu geben, wenn du unterentspannt bist.

Ich bin Hypnose-Therapeutin, deshalb verzeih‘, wenn ich sage: Hypnose-Therapie kann all das leisten und das in sehr kurzer Zeit. Das persönliche Stressempfinden ist Gott sei Dank toll beeinflussbar, das ist doch eine wirklich gute Nachricht.“

Titelbild: SkiMoon / CC BY-SA 4.0