Johanna Schade

Eine Primaballerina zu werden und auf den großen Bühnen der Welt zu tanzen, das ist der Kindheitstraum vieler Mädchen. Aber für die Wenigsten geht dieser Traum in Erfüllung.

Wie schwer ist es tatsächlich, als Balletttänzerin Erfolg zu haben? Wie hoch ist der Druck, der auf einem selbst lastet und unter den Tänzerinnen herrscht? Wie gestaltet sich der Blick in die Zukunft?

Es sind Fragen, auf die die 32-jährige Balletttänzerin Johanna Schade aus Berlin Antworten hat. Johanna wurde an der staatlichen Ballettschule der Oper Leipzig ausgebildet und anschließend vom Leipziger Ballett engagiert.

„Es herrschte ein rauer Umgangston, Disziplin und absolute Gehorsamkeit.“

Johanna war knapp acht Jahre alt, als sie die Aufnahmeprüfung bestand. Weder ihre Eltern noch sie wussten, worauf sie sich eingelassen hatten. „Das Training an der Schule war sehr streng und darauf ausgelegt, die Schüler zu klassischen Tänzern auszubilden. Wir trainierten bis zu fünf Mal die Woche, neben dem normalen Unterricht. Volle Aufopferung wurde von jedem Schüler erwartet. So wuchsen wir aber sehr eng zusammen und trotz des harten Alltags hatten wir jede Menge Spaß.“, erzählt Johanna. Mit 15 Jahren tanzte sie bereits an namenhaften Ballettstücken der Oper Leipzig wie Dornröschen und Schwanensee mit.

Nach der Ausbildung müssen sich die Tänzerinnen bei Auditions beweisen, um in einer Kompanie aufgenommen zu werden. Diese Auditions finden weltweit statt. Es ist eine anstrengende und nervenzerreißende Zeit, doch für Johanna verlief alles gut und sie wurde vom Leipziger Ballett engagiert. „Das war mein Traum“, sagt sie. „Der Choreograf Uwe Scholz leitet diese Kompanie und ich liebte seine Arbeit“.

Wer als Tänzerin von sich überzeugen kann und in einer der Kompanien angenommen wird, ist seinem Traum einen entschiedenen Schritt nähergekommen. Eine feste Gage, regelmäßige Auftritte, Ruhm und Anerkennung sind den Tänzerinnen sicher.

„Ich entschied mich mit dem Ballett aufzuhören.“

Die Zeit als Tänzerin an der Kompanie war recht kurz und sehr einsam. Johanna hatte keine Freunde, weil der starke Konkurrenzdruck das fast unmöglich machte. „Ich sollte mich wieder durch die „Rangordnung“ arbeiten und hatte sehr viele Proben, war aber meist nur Ersatz. Das war sehr schwer für mich und ich wurde immer trauriger.“

Nach nur zwei Jahren an der Kompanie verletzte Johanna sich am Knie woraufhin ihr Vertrag nicht verlängert wurde. Es war ein großer Schock für sie und sie entschied sich, mit dem Ballett aufzuhören. „Das war eine der schwersten Entscheidungen, weil ich mich so darüber identifiziert hatte.“

Um sich abzulenken und den Kopf frei zu bekommen, zog Johanna nach Barcelona. Dort führte sie erstmals ein normales Leben abseits der Kompanie. Sie genoss die freie Zeit, las viel, besuchte gute Restaurants und belebte Bars, lernte neue Leute kennen und kellnerte nebenher. Nach sechs Monaten fand sie durch Zufall eine kleine Künstlergruppe und tanzte erstmals wieder bei Auftritten und Konzerten. „Es war eine wilde Zeit in Barcelona, da ich das erste Mal ohne die strengen Fesseln des Profitänzers lebte.“, berichtet sie. „Ich wollte das Leben genießen und die Welt sehen. Die Jahre in der Kompanie ließen mir dafür keine Zeit.“

Schlussendlich zog es sie dann nach Berlin und Johanna begann wieder Ballett zu tanzen und 2007 auch zu unterrichten. Nebenher tanzte sie bei mehreren Videos als Background- Tänzerin mit und 2008 bei dem Sommermärchen Däumelinchen der Tanzakademie Marita Erxleben in Potsdam. Bis heute tanzt und unterrichtet Johanna in diesem Tanzstudio. „Ich bin froh, dass Marita mich so nimmt wie ich bin und mir meine Freiheiten lässt. So liebe ich den Tanz.“

Das Tänzerleben ist schlecht bezahlt!

„Viel Geld hatte ich all die Jahre nie, aber es hat immer gereicht.“, erzählt Johanna. Wer als Tänzerin ein festes Engagement hat, ist finanziell abgesichert. Doch der Großteil muss sich mit kurzzeitigen Engagement und Nebenjobs über Wasser halten. Auch Johanna kellnert und unterrichtet neben dem Ballett. „Nur von der freien Szene als Tänzerin zu leben ist fast unmöglich.“

Der Körper ist das Kapital einer Tänzerin und daher sind Verletzungen das schlimmste Szenario. Sie können das Ende der Karriere bedeuten oder sie zumindest zeitweise auf Eis legen. Auch Johanna hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Knöchel- und Achillessehnenprobleme begleiteten sie schon durch ihre Schulzeit. „Irgendwann lernt man aber damit zu leben und alle Tänzer haben diese Schmerzen.“, berichtet sie.

„Hingabe und Leidenschaft in Verbindung mit Talent ergeben den magischen Cocktail.“

„Das tägliche Training ist sehr wichtig, um das Beste aus dem Körper herauszuholen. Wenn das allein nicht reicht, muss man alles geben und sehr fleißig sein“, erzählt Johanna. „Fleiß und Ehrgeiz, die körperlichen Voraussetzungen und Rhythmusgefühl machen am Ende eine gute klassische Tänzerin aus. Und natürlich die richtige Ausbildung.“

„Das viele Reisen hat mich immer um Freunde bereichert und ich würde es nicht hergeben wollen.“, antwortet Johanna auf die Frage, wie sich das ständige Unterwegssein auf ihr Sozialleben auswirkte. „Die richtig guten Freunde bleiben, auch wenn man lange weg ist. Reisen ist nach Tanzen eine meiner großen Leidenschaften.“

 

„Ich würde nichts anders machen, auch wenn ich noch mal wählen könnte.“

Johanna ist dort angekommen, wo sie sein möchte. Sie gibt ihre Liebe zum Ballett als Tanzlehrerin im Ballettstudio Marita Erxleben in Potsdam an die junge Generation weiter und kann so ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf machen.

„Jeder Mensch ist schön und jeder Mensch kann tanzen.“

„Jungen Tänzern möchte ich sagen, dass es in erster Linie immer nur um einen selbst gehen sollte. Dass jeder Körper schön ist und dass auch jeder Mensch tanzen kann. Dass Tanz dazu da ist, einen glücklich zu machen. Und dass die Liebe zum Tanz ist das Wichtigste, denn die kann man sehen.“

 

 

Bild: Jabore  CC0  Public Domain

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