Dieses Gefühl kennen wir alle: Ob es das „Rückenmalen“ mit Freunden aus der Kindheit war, wo man erraten musste was einem der andere auf den Rücken malte, oder wenn unser Friseur uns den Kopf beim Haarewaschen krault. Dabei kribbelt es und entspannt unseren gesamten Körper.

von Katharina Maria Reddemann

Die Abkürzung ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Damit wird vor allem das Kopfkribbeln als „Gehirnmassage“ oder auch als „Sinnesmassage“ beschrieben, das beim Schauen und Hören von Videos ausgelöst wird. Obwohl wir keine „echte“ Berührung spüren können, versetzt es unseren Körper in einen „Massage“- und Entspannungsrausch.

Es gibt zahlreiche Methoden, wie die ASMRer die sogenannten „Tingles“ erreichen wollen: durch Geräusche wie sanftes Flüstern, Händereiben oder auf Gegenständen kratzen („scratching“) oder tippen („tapping“). Durch visuelle Funktionen, wie ruhige Handbewegungen, sollen auf diese Weise die Sinnesorgane angesprochen werden. Dabei lassen sich die Youtuber ständig neue Rollenspiele oder anderen Ideen einfallen, um ihren Fans so viel Kreativität wie möglich zu bieten.

Gentle Whispering
Der Youtube-Trend hat sich mittlerweile als eigene Community weltweit etabliert und viele der Videos erzielen mehrere hunderttausend Clicks. Maria aka Gentle Whispering hat fast eine Million Abonnenten und zählt damit zu den erfolgreichsten ASMR-Youtubern. Als Mitbegründerin dieses Phänomens stellt sie ihren Fans wöchentlich bis zu drei Videos zur Verfügung. Da sie selbst russische Wurzeln hat, nimmt sie eine große Anzahl zusätzlich auf Russisch auf.

Englische Version

Russische Version

Während sich einige nur zum Abschalten die Videos anschauen, konnten andere sogar ihre Schlafstörungen und Panikattacken besiegen. Es gibt aber auch Hörer, die durch jahrelanges Schauen ihre Fähigkeit, die „Tingles“ zu spüren, verloren haben. Grund dafür könnte sein, dass viele ASMRer unnatürliche Effekte durch die wachsende Technik verwenden.

Autonomous Sensory Meridian Response ist ein Neologismus der durch Youtube bekannt wurde. Bis heute ist das Phänomen allerdings nicht wissenschaftlich erforscht. Feststeht, dass nicht alle Menschen das ASMR-Kribbeln empfinden. Das erklären Wissenschaftler mit dem Unterschied der Neurologie jedes Menschen.

Wir können also gespannt sein, ob und wie sich ein durch unsere Netzkultur entstandenes Phänomen weiterentwickelt.