Mode ist wie Schönheit – sie liegt im Auge des Betrachters.
Unser modisches Empfinden wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Kultureller Hintergrund, soziales Umfeld und vor allem das Internet spielen eine Rolle.

Instagram und andere soziale Netzwerke zeigen den Querschnitt an Mode, der von der Masse als ,,cool“ betrachtet wird .
Wir können sehen, was man in den Städten der Welt momentan trägt: Unsere Idole zeigen uns, welchen Designer sie gerade besonders hypen.

Natürlich gibt es auch Menschen, die Trends notorisch ablehnen und mit dem ganzen ,,Social Media Müll’’ nichts am Hut haben.
Doch machen wir uns nichts vor: Wer in einer Stadt lebt, kommt an modischen Hypes nicht drumherum.

Mode und Politk – eine heiße Mischung

Besonders spannend ist, wenn Mode in Zusammenhang mit Politik gesetzt  und Bestandteil kontroverser gesellschaftlicher Diskussionen wird.
Vor einigen Jahren erlebte die Kufiya (besser bekannt als Pali – Tuch) einen Hype. Vielen junge Menschen in mittel – und westeuropäischen Kreisen trugen dieses meist ohne politischen Hintergedanken.
Die ursprünglich traditionelle Kopfbedeckung, welche durch den Nahostkonflikt das Symbol für die kämpfenden Palästinenser wurde, löste große politische und ethische Debatten aus. Der Military Trend erlebt seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Ausprägungen immer wieder ein Revival. Besonders beliebt und populär ist das Camouflage – Muster.

Camouflage

Camouflage in den Straßen Berlins

,,Camouflage – ist das nicht dieses Kriegsmuster? Darf man sowas überhaupt tragen?“
Wenn man Camouflage aus dem Französischen übersetzt, bedeutet es Irreführung, Täuschung oder Tarnung. Was ursprünglich zum Tarnungszweck diente, bewirkt heute genau das Gegenteil und fällt einem in den Großstädten sofort ins Auge. Die bekannten Farbflecken sind schon lange in den verschiedensten Varianten auf den Laufstegen von high – end Modemarken  zu finden. Die Mitglieder des Kardashian – Clan sind wohl die derzeit populärsten Vertreter des Trends. Auf Instagram posieren sie mit einem Schmollmund im Camouflage Muster.

Um der Frage nach diesem enormen Revival auf den Grund zu gehen, setze ich mich mit Hannah Wiemer, Professorin der Universität der Künste in Berlin, auseinander.
Sie beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte von Camouflage, die seit über hundert Jahren auf den Ersten Weltkrieg zurückzuführen ist. Durch Wiemer erfahre ich, dass verschiedene Künstler an dem Muster mitwirkten.
,,Daran habe ich festgestellt, dass sich die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche wie beispielsweise Krieg und Kunst oder auch Mode gegenseitig sehr stark beeinflussen. Das Muster ist seit der Entstehungsgeschichte auf verschiedenste Wege in die Kunst eingeflossen, indem das Motiv der Muster aufgenommen wurde.’’, erklärt mir Frau Wiemer.
Laut der Professorin wurde der Grundstein für die Etablierung in die Modewelt in den 1970’er Jahren von Hippies und Kriegsgegnern gelegt, welche das Camouflage – Muster entmilitarisierten. Um ein Statement gegen den Vietnamkrieg zu setzen, trug man bereits getragene Militär – Parka auf ,,ironische Weise“.
Es wurde plötzlich nicht mehr mit Krieg und Tod verbunden, sondern mit Revolution gegen das Etablissement in Verbindung gesetzt und zumeist von jungen Leuten aus der Mittelschicht getragen.
Auch ein Jahrzehnt später in den Achtziger Jahren, bedienten sich Punks an dem Muster, um ihre Antihaltung der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen.
In der Kunst – Szene erlebte Camouflage 1986 durch Andy Warhol den Durchbruch. Er bediente sich bei seinem Selbstbildnis an den Tarnflecken. Der amerikanische Künstler drehte die eigentliche Funktion des Musters um und machte es zum Eyecatcher. Warhol wurde zwar von dem Tarnmuster bedeckt, jedoch steht er mit seinem starren Blick direkt in dem Kontakt des Betrachters.

Von der maskulinen Strenge haben sich die meisten Designer verabschiedet. H&M, Adidas und Nike sind nur einige Beispiele, wo Camouflage – Röcke,  – shirts und Bikinis angeboten werden.

Das Muster gibt dem Outfit das gewisse Etwas – etwas Verbotenes und Verrufenes. Wie schon in den Jahrzehnten zuvor, wird das Muster heutzutage bei den meisten ironisch und mit kompletter Entfremdung des eigentlichen Zwecks getragen. Kaum einer trägt es, um sich mit dem Militär zu sympathisieren, sondern mit dem ironischen Kontrast aufzufallen. Der Trend lässt sich also mit dem Selbstbildnis von Andy Warhol erklären. Hinzu kommt, das man Camouflage – Parker zu fast jedem Outfit aufgrund der erdigen Farbtöne kombinieren kann.

 

Camouflage gibt Deinem Outfit das gewisse Etwas

Camouflage gibt Deinem Outfit das gewisse Etwas