Ihre Designs sind angesagt, ihr Instagram Account boomt und ihre Kundschaft wächst. In nur einem Jahr schafft es die 22-jährige Julia, sich selbst Tätowieren beizubringen und die Leute für sich und ihre Arbeit zu begeistern.

Was Anfangs nur ein Hobby war, hat sich schnell zu Julias Nebenjob entwickelt. Mittlerweile investiert die gebürtige Stuttgarterin und Studentin der HdpK fast täglich Zeit in das Tätowieren und Erstellen neuer Motive. Ihre Designs umfassen ein breites Spektrum, von einer klassischen Darstellung der Venus, bis hin zu präzisen Schriftzügen in Gothiclettern.
Was alle Arbeiten miteinander verbindet, ist, dass sie minimalistische „line-works“ sind.

Wie kommt man dazu, sich Tätowieren als Hobby anzueignen? Wie fühlt es sich an, für immer auf der Haut von anderen Menschen verewigt zu sein?

Obwohl sie Aufgrund von Studium, Praktikum und Nebenjob einiges um die Ohren hat, nimmt Julia sich die Zeit meine Fragen zu beantworten und uns einen kurzen Einblick in ihre Arbeit und ihren Werdegang zu geben.

 

Wie bist du zum Tätowieren gekommen?

„Seit ich klein bin zeichne ich viel. Gleichzeitig hatte ich als Kind immer eine Faszination für die „Abziehtattoos“ aus den Kaugummiautomaten, was meine Eltern schon damals nicht so cool fanden (lacht). Als ich dann mit 16 vorhatte, eine Ausbildung zur Tätowiererin zu machen, waren sie dementsprechend nicht begeistert und haben mir das Ganze recht schnell ausgeredet. Aufgrund von Abitur, Studiengangsuche, Auslandsjahr usw. bin ich etwas von meinem kreativen Weg abgekommen. Irgendwann hatte ich gar keine Zeit mehr dem Zeichnen nachzugehen, was mich ziemlich unglücklich machte. Ich fing an mir Gedanken darüber zu machen, wie ich mich wieder kreativ beschäftigen könnte und gleichzeitig die Möglichkeit hätte, mich selbst zu finanzieren. Also dachte ich mir „fuck it“ und habe kurzerhand eine Tattoo-Maschine bestellt. Nachdem ein paar Kilo Schweinehaut, meine eigene-, und die meiner freiwilligen Versuchskaninchen dran glauben musste, stellte ich fest, dass die Dinge, die ich fabrizierte, ganz gut aussahen. Also habe ich mir vorgenommen die Sache ernst zu nehmen. Mittlerweile unterstützen mich meine Eltern auch dabei- nach einem kurzen Schock.“

 

Abgesehen von der gängigeren Methode des tätowierens, bei der eine Maschine verwendet wird, gibt es ja auch die Option, Bilder handgestochen und mit einer einzelnen Nadel herzustellen (gen. „stick ’n‘ poke“ oder „DIY-Tattoo“).
Nutzt du beide Methoden, oder arbeitest du nur mit der Maschine?

„Ich mache beides. Feine Linien und detailreiche Motive mache ich lieber mit der Maschine, Schriftzüge und simple Sachen lieber mit der einzelnen Nadel. Die schlussendliche Entscheidung überlasse ich aber dem Kunden.“


Designst du jedes Tattoo selbst (um), auch wenn jemand ein bestimmtes Motiv in Auftrag gibt?

„Ja, ich kopiere keine Arbeit von anderen. Bei manchen Motiven kann man halt nicht viel ändern, wenn es sich zum Beispiel um ein einfaches Herz, ein Schriftzug oder ähnliches handelt.“


Ist es dir wichtig, dass deine Motive stilistisch einheitlich sind und man sieht, dass sie von dir kommen?

„Nicht unbedingt wichtig, aber es macht mir Spaß in meinem eigenen Stil zu tätowieren. Teilweise nehme ich allerdings auch Aufträge an, die nicht direkt meinem Stil entsprechen. Es ist cool zwischendurch was anderes zu machen.“

Hast du bestimmte Künstler als Vorbilder?

„Vorbilder würde ich das nicht nennen. Jeder Künstler hat seinen eigenen Stil, den ich nicht nachahmen kann oder will. Aber natürlich bewundere ich die Arbeit gewisser Tätowierer, wie zum Beispiel die von Johnny Gloom, Louis Loveless, Abby Drielsma…“

 

Was macht dir am Tätowieren am meisten Spaß?

„Zum einen, meine eigenen Ideen in ein Motiv einfließen zu lassen und zum anderen natürlich auch das „Handwerk“ an sich. Es macht mich immer glücklich, wenn jemand mit dem fertigen Tattoo zufrieden ist und sich darüber freut. Allgemein bin ich sehr überrascht und dankbar dafür, dass schon so viele Menschen mir ihre Haut anvertraut haben. Es ist ein guter, aber gleichzeitig auch komischer Gedanke, dass meine Werke tatsächlich für immer auf jemandem verewigt sind!“

 

 

 

 

Bilder © Julia Reischel