Täglich sterben durchschnittlich 86.400 Menschen auf der Welt. Das macht 3.600 in der Stunde, 60 in der Minute und mindestens einen Menschen pro Sekunde. Wann stirbst du?

Der Tod ist ein absolutes Tabuthema in unserer Gesellschaft. Er macht vielen Menschen Angst und deshalb reden sie nicht gerne darüber. Oftmals leben sie nach dem Motto „Mir passiert doch eh nichts.“ Keiner ist unsterblich! Auch wenn es nicht heute, morgen oder nächstes Jahr geschieht, früher oder später spielt das Thema Tod in jedem Leben eine große Rolle.

Es wäre natürlich einfacher, vor allen anderen zu sterben. Denn wenn man tot ist, dann bezahlen es die Anderen und man muss sich nicht mehr mit den Kosten auseinander setzen.   Man weiß nicht, wie es ist, sich um alle Dinge kümmern zu müssen, die mit dem Tod zu tun haben. Die wenigsten Menschen haben eine Ahnung, wie viel Geld die hinterbliebene Familie bezahlen muss, damit die Beerdigung etwas ganz Besonderes wird.

Wenn man den natürlichen Kreislauf des Lebens betrachtet, dann muss sich unsere Generation  bewusst werden, dass fast alle älteren Familienmitglieder vor ihr sterben. Seien es die Eltern, die Großeltern oder die älteren Geschwister. Irgendwann verliert jeder einen Angehörigen und für diesen Fall ist es wichtig, finanziell vorbereitet zu sein.

„Ich habe jeden Tag mit dem Tod zutun“ 

Die 22-jährige Sina Nitschke ist Bestatterin und musste sich letztes Jahr ca. 200 Mal mit dem Thema Tod auseinandersetzen. Während sich viele Menschen nie Gedanken über die finanziellen Folgen machen, tut Sina dies täglich.

Sina Nitschke

Sina Nitschke

Sina erklärt, dass sie im Todesfall eines Angehörigen sehr viele Aufgaben übernimmt und für die hinterbliebene  Familie da ist. „Zunächst einmal bereite ich die Verstorbenen auf und bringe sie dann in die Friedhofskapelle. Ich berate die Angehörigen, bezüglich der Kosten und Möglichkeiten.“, erzählt Sina. „Es gibt nach oben hin kein Limit. Die teuerste Beerdigung, die ich je organisiert habe, hat ungefähr 15000 Euro gekostet, da hat der Sarg mit 5000 Euro den größten Teil des Budgets verschlungen. Aber man kann bei einer durchschnittlichen Beerdigung mit ungefähr 3500 Euro rechnen. Natürlich kommt es immer auf den Standort an und darauf, ob man eine Feuer-, eine See-, eine Baum-, oder eine Erdbestattung macht. Da variieren die Preise.“

„We will rock you“ ob im Himmel oder auf Erden

Einen Sarg braucht man immer, egal welche Bestattungsart man wählt. Bei einer Feuer- und Seebestattung wird dieser mit eingeäschert. Die Kosten dafür sind unterschiedlich und auch das Aussehen der Kisten ist nicht immer gleich. „Einmal haben wir einen Mann in einem ferrariroten Sarg beerdigt und ein anderes Mal haben die Kinder eines Verstorbenen den Sarg bemalt.“, berichtet Sina. Hinzu kommen noch die Kosten für den Grabstein oder die Urne, für das Grab, die Blumen, die Traueranzeige und die Einladungskarten, die Trauerfeier und bei den meisten auch für den Leichenschmaus. Doch bei diesen ganzen Dingen steht den Hinterbliebenen das Bestattungsunternehmen bei. „Bei der Planung der Trauerfeier können die Angehörigen ihre Wünsche äußern und manchmal vergisst man dabei, dass es eigentlich ein trauriger Anlass ist. Einmal wurde auf einer Beerdigung „We will rock you“ gespielt, da der Verstorbene eine Verbindung zu diesem Lied hatte. Auf einer anderen Beerdigung wurde Cognac ausgeschenkt und ‚The Lion sleeps tonight‘ gehört. Jedes Mal ist einfach komplett anders.“

Auch nach dem Tod spielt Geld eine Rolle

In Deutschland haben die Angehörigen eine gesetzliche Pflicht, sich um die Beisetzung zu kümmern. Diese kann nur abgelehnt werden, wenn die Familienmitglieder mittellos sind oder der Verstorbene selber genug Ersparnisse hat. Eine weitere Möglichkeit ist eine Sterbegeldversicherung, die der Verstorbene vor seinem Tod abschließt. „Damit entlastet man seine Familie und lässt ihnen die Möglichkeit in Ruhe trauern zu können, ohne sich mit der Finanzierung auseinander setzen zu müssen.“, erklärt Sina.

Oftmals läuft die Sache mit der Finanzierung der Beerdigung nicht so leicht ab. Denn viele Menschen wissen gar nicht, dass sie für die Beerdigung eines Verstorbenen aufkommen müssen. Die Pflicht, einen Toten zu bestatten, haben der Rangfolge nach: Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern und Enkelkinder. Selbst wenn man keinen Kontakt zu dem Verstorbenen hatte, muss man für seine Beisetzung aufkommen.

Man sollte das Tabuthema Tod nicht länger ignorieren sondern sich darauf einstellen, dass es irgendwann so weit sein wird. Denn jeder ist schon einmal über eine rote Ampel gelaufen!

 

Titelbild: Unsplash CC0 Public Domain

Bild: Mathias M.