Kurz nach der Wiederwahl nun die rote Karte für den sonst so unerschütterlichen Fifa-Boss

Skandal und Fifa. Die beiden Wörter passen zusammen wie Raketen und Silvester, man kann sich das eine nicht ohne das andere vorstellen. Und trotzdem erschrickt man immer wieder, wenn alle Jahre mal was hochgeht. Manchmal ein kleiner Knallfrosch, dann und wann aber auch ein paar Raketen.
Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Bei der Fifa explodierte diesmal ein ganzes Feuerwerk, vielleicht sogar das Größte ihrer bisherigen Geschichte.
Im Auftrag der US-Justiz haben Schweizer Sicherheitsbehörden am Mittwoch sieben hochrangige Funktionäre der Fifa festgenommen. Sie sollen in den letzten 25 Jahren mehr als 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld angenommen haben, insgesamt verfolgt die US-Staatsanwaltschaft 14 Personen.
Das Fifa-Gerüst wurde erschüttert. Sponsoren überdenken ihr Engagement.
Doch ist man ehrlich, sind nicht die Korruptions-Anschuldigungen neu, sondern die Beweise, die aktuell gegen die Akteure vorliegen. Dem Fifa-Präsidenten Joseph Blatter ist allerdings wie bisher jedes Mal rechtlich nichts nachzuweisen. Aber als Präsident seit 1998 ist er der politisch Verantwortliche für den Zustand der Fifa.
Und die Liste der Ungereimtheiten und Skandale der Blatter-Fifa ist lang. Gerüchte über Geldscheine in Briefumschlägen machten schon kurz nach seiner Wahl 1998 die Runde. Für die WM 2022 in Katar sterben seit Beginn der Vorbereitungen immer wieder Gastarbeiter. Und sowieso glaubt niemand wirklich, dass Katar und Russland die WM nur mit ehrenwerten Methoden in ihr Land geholt haben.
Doch die Fifa stellte sich bisher immer taub, Whistleblower wie zum Beispiel Bonita Mersiades, die aufklären wollen, werden belustigt beiseitegeschoben.
Doch dieser Skandal ist anders, das sonst so feste Band der Fifa-Familie lockert sich. Die Uefa drohte am Mittwoch, den 27.05., den Kongress zur Präsidentenwahl am darauffolgenden Freitag zu boykottieren, falls diese nicht verschoben würde.
Und es sieht ganz so aus, als würden im Laufe der Ermittlungen noch mehr schmutzige Machenschaften der Fifa ans Licht kommen.
Blatter selbst gab sich bis vor kurzem jedoch wie gewohnt selbstbewusst. Trotz unüberhörbarer Forderungen seines Rücktritts von allen Seiten, unter anderem vom britischen Premierminister David Cameron, dachte er nicht einmal an ein Verschieben seiner Wiederwahl, geschweige denn von seiner Kandidatur zurückzutreten.
Sepp Blatter wurde wie erwartet neuer alter Fifa-Präsident und trat mit 79 Jahren seine fünfte Amtszeit an.
Doch am gestrigen Dienstag um 18:45, vier Tage nach seinem Triumph, der überraschende Rücktritt: Kurzfristig, ohne viel Tamtam und Presseaufgebot. Der sonst so unerschütterlich scheinende Blatter gibt dem Druck von allen Seiten nach, das FBI ermittelt wohl gegen ihn persönlich.
Doch das Zeichen, das durch diesen Rücktritt gesetzt wird, ist wichtiger als dessen Gründe:
Blatter und mit ihm die Fifa symbolisierten jahrzehntelang Unantastbarkeit. Jetzt offenbaren sie zum ersten Mal Verwundbarkeit und erkennen damit den Ernst der Lage an.
Die Fifa erhält dadurch eine Chance zur Reinigung ihrer mittlerweile schwarzen Weste. Vielleicht ihre letzte.

– Mareike Krieter