Altern – ein Thema mit dem wir uns nur allzu ungern beschäftigen. Ein unaufhaltbarer biologischer Prozess, den wir nur schwer beeinflussen können. Doch wie fühlt es sich an wirklich alt zu sein? Und wie ändert sich die Denkweise im Alter?

Die Fernsehsendung „The story of my life“

Die Zuschauer werden live im Fernsehen erstmals mit dem Thema Altern konfrontiert. Katrin Hector (Produzentin) hat die Beweggründe der Produzenten geschildert. Als Fernsehmacher seien sie stets auf der Suche nach relevanten und visuell starken Themen, die möglichst viele Zuschauer interessieren könnten. In „The story of my life“ sahen die Produzenten dies erfüllt. Prominente Paare, die alt geschminkt werden und sich mit der Moderatorin Désirée Nosbusch über ihr Leben, ihre Liebe, ihre Werte, Hoffnungen und Ängste unterhalten – diesen Ansatz fanden die Produzenten sehr spannend und inspirierend. Ihnen war dennoch klar, dass dies ein riskantes Format ist, da Altern und der Tod einige der letzten Tabuthemen unserer Zeit sind.

Jeder stellt sich mal mehr, mal weniger die Fragen „Was ist mir wichtig im Leben? Wie möchte ich meine Zukunft gestalten? Wie möchte ich später auf mein Leben zurückblicken?“ – Altern betrifft jeden von uns.
Katrin Hector meint, dass die erste ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema um das 30. Lebensjahr stattfindet. Dabei machen sich mehr Frauen Gedanken über das Altern. Nicht zuletzt, weil die biologische Uhr tickt und der Zeitraum ein Kind zu bekommen, begrenzt ist.
„Kurzum, je älter ich bin und je weniger Berührungsängste ich mit diesem Thema habe, desto eher interessiere ich mich auch für eine Fernsehsendung wie „The story of my life“ und bin bereit, mich intensiv darauf einzulassen“, so Katrin Hector.

Wie setzt sich eine beruflich erfolgreiche Frau wie Katrin Hector mit diesem heiklen Thema auseinander? Hierzu erzählt sie mir, dass sie diesen Sommer 50 Jahre alt wird und daher mit hoher Wahrscheinlichkeit die Hälfte ihres Lebens übersckatrin_hector_altern_talpa_voxhritten hat. Durch die intensive Arbeit an dem Format „The story of my life“ kam sie erstmals dazu sich persönliche Lebensfragen zu stellen, die vorher nie ein Thema waren – „Bin ich glücklich mit meinem Leben? Was habe ich bislang erreicht? Was ist mir wichtig? Würde ich rückblickend etwas anders machen? Wie möchte ich die nächsten Jahre gestalten und wer und was soll hierbei eine Rolle spielen? Und – nicht zu vergessen – wie möchte ich später auf mein eigenes Leben zurückblicken?“.
Sie beschreibt die Auseinandersetzung mit diesen Fragen als „starken Tobak“.
Schlussendlich kommt sie zu dem Entschluss, dass sie eine sehr glücklich älter werdende Frau ist, die zufrieden auf ihre Vergangenheit zurückblickt. „Ich genieße mein gegenwärtiges Leben und bin gespannt auf die Zukunft. Dieses grundsätzliche Lebensgefühl ist kein Zufall oder Zustand, sondern die Folge vieler Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe und weiterhin treffe. „The Story of my Life“ machte mir bewusst: Je selbstbestimmter ich meine Prioritäten setze und je selbstbewusster ich meine Wertvorstellungen lebe, desto glücklicher und zufriedener bin ich – ob nun rückblickend, gegenwärtig oder in die Zukunft blickend.“, so Katrin Hector.
Egal ob sie 30, 50 oder 70 Jahre alt ist – Sie sei genau da, wo sie sein will und dieses Bewusstsein fühle sich sehr gut an.

„Ich möchte lieber vor meinem Mann sterben.“

Bei der Ausseinandersetzung mit dem Thema habe ich mich mit meiner Oma unterhalten. Sie ist 78 Jahre alt und hat eine klare Botschaft an alle jungen Menschen, die ihr Leben noch vor sich haben: „Lebt so gut ihr könnt. Seht alles sehr positiv, sehr clever und bleibt ruhig. Und wenn ihr mal eine Partnerschaft eingeht, müsst ihr auch zurückstecken können und nicht alles so negativ sehen. Nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.“
Oma weiß wovon sie spricht – Sie ist seit 56 Jahren mit ihrem Mann Horst glücklich verheiratet. Mir erzählt sie, wie sich ihre Sichtweise über das alt werden mit den Jahren verändert hat. „In jungen Jahren hatte ich keine Angst vor dem alt werden. Aber mittlerweile, da mache ich mir schon ab und an Gedanken über das Alter. Ich habe wirklich Angst, dass ich mal alleine zurückbleibe. Ich möchte lieber vor meinem Mann sterben. Also das wünsche ich mir, aber ich weiß, dass man das nicht beeinflussen kann. So ist das Leben eben.“

Ich habe festgestellt, dass der Gedanke an das alt werden für mich noch keine Rolle spielt. Aber ich weiß, dass dieser Punkt kommen wird. Und dann wünsche ich mir, dass ich glücklich und zufrieden auf die Vergangenheit zurückblicke und keine Angst vor dem alt werden habe.

Beitragsbild: CC0 Public Domain
Bild: Katrin Hector