In einem Zeitalter der Digitalisierung wundert es niemanden mehr, wenn Künstler anfangen ihre Werke selber zu produzieren und zu vermarkten. Welche Rolle spielt da ein Management noch? Darüber unterhalten wir uns mit Deutschlands Rap-Liebling, Chima Ede. Außerdem werden wir erfahren, ob er ein Studium im Management Bereich für notwendig hält und ob man Manager und Künstler gleichzeitig sein kann.

– von Melisa Daglar

Es gab eine Zeit, in der man als Künstler weit mehr als nur künstlerisches Talent brauchte. Gute Manager gehörten zum Erfolgsrezept eines jeden Künstlers, denn nur Sie kannten die geheimen Zutaten zur Karriereförderung und somit zu übermäßigem Erfolg. Heutzutage können kreative Köpfe jedoch ihre Werke und auch sich selbst auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram vermarkten. Künstler können sich problemlos Fähigkeiten wie das Gestalten von eigenen Websites, das Planen und Organisieren von Touren, Terminen oder Kosten selbst aneignen. Braucht man in solch einer Zeit noch Manager? Wir fragen Chima Ede.

Chima_Ede_Musik

Chima Ede (25) bezeichnet sich ungern als Rapper. ,,Ich bin ein Künstler, der die Musik als Ventil nutzt sich auszudrücken und vielleicht sogar die Welt ein Stück zu verbessern.“

Der in Berlin-Wedding geborene Chima Ede ist zurzeit einer der wohl vielversprechendsten Deutschrap Künstler. Laut dem Juice Magazin gehört Chima zusammen mit sechs anderen Hip-Hop Künstlern zu Deutschraps Zukunft.

Alles begann im Alter von 14 Jahren, als Chima seine Mutter an Bauchspeicheldrüsenkrebs verliert. Von da an nutze er die Musik, um seine Gefühle auszudrücken. Da er nicht darüber reden wollte, war die Musik der einzige Weg sich mitzuteilen. Die Menschen aus Chimas Umgebung gaben ihm immer mehr positives Feedback zu seinen Texten, und so fing er mit 17 Jahren an, auf Deutsch zu schreiben. So konnten die Menschen, die kein Englisch sprechen, ihn auch verstehen.

Die Höhepunkte seiner bisherigen Laufbahn waren neben seiner Teilnahme am Splash Festival, die gemeinsame Tour mit dem deutschen Rapper Megaloh und vor allem seine eigene bevorstehende Tour mit dem Rapper und Produzenten Ahzumjot.

Mit seiner ersten EP Lebenslust im Jahr 2015 startete er dann richtig durch. Daraufhin folgten zwei weitere EP‘s und jetzt steht sein erstes Debüt Album vor der Tür. Seine Musik beschreibt er mit den drei Worten: Emotion.Inspiration.Liebe.

„Ich habe kontinuierlich Kunst geschaffen und vor allem bin ich keine Stufen gegangen, sondern habe wie viele es sagen „ganze Etagen“ übersprungen. Einfach mit Liebe, Fleiß und den Glauben daran“, so Chima.

Man sagt du hast „ganze Etagen“ übersprungen. Dazu braucht es nicht nur Geduld und Talent, sondern auch gekonnte Strategien und Fähigkeiten. Hast du jemanden an deiner Seite, der sich mit Management und Marketing gut auskennt und dich auf deinem Weg als Künstler begleitet? 

,,Ich habe das große Glück, den besten Manager zu haben, der gleichzeitig auch mein Bruder ist. Er selber besitzt eine Firma, die sich auf Marketing von Produkten spezialisiert hat. Er ist erst seit kurzem im Boot und jetzt geht alles voran. Wir haben schon innerhalb kürzester Wochen etliche Erfolgserlebnisse erzielt.“

Hast du trotz Manager viel Freiraum bei deinen eigenen Entscheidungen? Kannst du deinem kreativen Kopf freien Lauf lassen oder wird dir oftmals bei deinen Ideen dazwischengefunkt?

,,Mein Bruder lässt mir im kreativem soviel Freiraum wie ich will und klinkt sich nur ein, wenn ich ihn nach Hilfe frage. Er betont auch, dass dies nicht sein Bereich ist. Ich soll weiterhin so gute Kunst erschaffen und er vermarktet sie. Je besser die Kunst ist, desto besser kann er sie vermarkten. Abgesehen davon, dass er mein Bruder ist, würde ich aber auch nie jemanden an meine Kunst lassen oder mir irgendwie dazwischen funken lassen. Ich lebe das. Ich weiß was ich tue und ich tue es meiner Meinung nach wie kein anderer in Deutschland. Das ist auch keine Arroganz, sondern einfach gesundes Selbstvertrauen das ich bei vielen Künstlern vermisse.“

Oft ist es der Fall, dass Künstler etwas kreatives studieren und am Ende ihres Studiums aufgeschmissen sind, da sie während ihrer kreativen Zeit an der Uni nichts über das Organisieren und Vermarkten gelernt haben. Hältst du ein Studium wie Künstler Management für notwendig, oder kann man sich heutzutage gute Management Fähigkeiten auch ohne Studium aneignen?

,,Heutzutage brauchst du meiner Meinung nach kein Studium oder irgendeine Ausbildung, um erfolgreich im Bereich Management und Marketing zu sein. Zwei Worte: Kommunikation und Internet. Heutzutage kannst du alles irgendwo nachlesen und dich selber schulen.Du brauchst keine Lehrer, die dich mit veralteten Strategien und Taktiken volllabern. Sie benutzen fast dauernd das Modell, das in der Vergangenheit öfter funktioniert hat. Dabei vergessen sie aber, das die Welt sich weiterdreht und jeder Tag ein Fortschritt ist, den man nutzen muss, um neue Strategien zu Entwickeln. Klar gibt es ganz klare Schablonen, die man zu befolgen hat. Aber dazu braucht man kein Studium. Ich denke auch, das diese Schablonen ein Scherz sind zu dem, was einen wirklich guten Manager und Marketing Experten ausmacht. Kommunikation löst alles. Richtig kommunizieren ist eine Kunst, aber wenn du es beherrschst, kannst du alles lösen und manipulieren. Ja, manipulieren! Es ist nicht schlecht Leute zu manipulieren, wenn man gute Absichten hat und eine Verbesserung für den gegenüber will. Das Wort wurde durch schlechte Absichten missbraucht und abgewertet. Aber was sagt das Sprichwort: Manche Menschen muss man manchmal zu ihrem Glück zwingen.“

Wie sehr ist man als Künstler auf gute Manager angewiesen?

,,Es ist wichtig jemanden an der Seite zu haben, der dir den Rücken freihält, damit man einfach Künstler sein kann und sich nicht um Sachen kümmern muss, die nicht zu dem eigenen Bereich gehören. Zu viele Zahlen und Emails, sowie Statistiken und Organisation killen meinen Vibe und meine Kreativität.“

Was schätzt du an deinem Manager?

An ihm schätze ich seine Verlässlichkeit, seine Disziplin, seine Konstanz und seine Schnelligkeit.

Kann man deiner Meinung nach beides sein – Künstler und Manager?

,,Alles ist möglich! Ich kenne einige aus meinem Umfeld, denen das liegt und die (zur Zeit) auch beides stemmen können. Ich glaube, irgendwann wird einfach die Last zu groß und dadurch auch die Zeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Deswegen sind Managements so wichtig, denn sie schenken dir diese Zeit, die du sonst nicht hättest, um einfach kreativ zu sein und zu erschaffen.“