Die New York Times zählt zu den alten, großen Giganten der Journalismus-Branche. Doch auch sie sind nicht immun gegen den Wandel der digitalen Revolution. Einbußen in den Einnahmen, eine zu späte Online-Präsenz und der Verlust von Print-Abonnements sind nur ein paar der Symptome, die es zu bekämpfen gilt.

– von Markus Specht

Wie also will die NYT gegen diese Probleme angehen, profitabel bleiben und gleichzeitig den (selbst gesetzten) hohen, journalistischen Standard behalten? Die Antwort auf diese Frage ist die 2020-Group. Eine Gruppierung von sieben Journalisten der Times hat sich zum Ziel gesetzt, Strategien und Bestrebungen zu analysieren, zu verbessern und für die Zukunft festzulegen.

Auch wenn die New York Times, nach eigenen Aussagen, immer noch zu den profitabelsten und angesehensten Nachrichtendiensten der Welt gehört, bedeutet das nicht, dass sie nicht auch untergehen könnten, wenn sie sich nicht dem Wandel der Zeit und dem Wandel der Leser anpassen; das wissen auch die Experten in der 2020-Group. Letztes Jahr hat die Times, nach eigenen Angaben, alleine im Online- Bereich ca. 500 Millionen Dollar eingenommen. Diese Einnahmen sind höher als die so mancher Konkurrenten ( Zum Beispiel The Washington Post und Buzzfeed) zusammen.

Da stellt sich einem doch die Frage: Wenn der New Yorker Nachrichten-Riese so erfolgreich ist, wieso sollen sie sich weiterhin anpassen? Weil, wie die 2020-Group sich erklärt, die Gewinne nicht ausreichen um die digitale Abteilung autark werden zu lassen. Um eine sichere Zukunft zu gewährleisten möchte, die Times ihre Abonnements bis 2020 „wesentlich erhöhen“.
So schreibt Dean Baquet, „executive editor der New York Times, dem hauseigenen Newsroom folgendes zu diesem Thema: “Make no mistake, this is the only way to protect our journalistic ambitions. To do nothing, or to be timid in imagining the future, would mean being left behind.”.

Welche Strategien haben sich die Köpfe der Gruppierung ausgedacht um diese ambitionierten Ziele zu erreichen? Drei Bereiche wurden in dem „2020-Report“ genannt, die in den kommenden Monaten und Jahren reformiert werden:

1. Was und wie berichtet wird.

Die New York Times zeigt ein hohes Maß an Selbst -Reflektion. Es wird beschrieben das die am wenigsten gelesenen Artikel jene sind, die als „Pflicht-Berichte“ betitelt werden. Also Artikel mit wenig, oder keinem Kontext, keinen visuellen Medien und jene, die sich kaum von den Berichten der Konkurrenz unterscheiden.

Deshalb möchte die Times ihre Artikel und wie diese gedruckt oder Online gestellt werden ändern. „Stories“, wie sie oft in dem Report genannt werden, sollen visueller werden; bewusst visueller. Momentan sind nur lausige 12% der Artikel mit Bild, Audio, oder Video versehen.

Auch möchte die Times einen höheren Mix an digitalen und alt-gediegenen Formen des Journalismus erreichen. FAQ ́s, Newsletter, Audio- und Video-Berichte sollen nur der Anfang sein. Die Idee ist, komplett neue Formate zu entwickeln, um an der Spitze zu bleiben.

Der leser-orientierte Service der NYT soll um einiges verbessert werden. Der Spagat zwischen Formaten die unterhalten und Features die informieren und im Alltag helfen sollen, ist das Ziel. Genauso wie das sogenannte „abholen“ von Lesern, also das direkte interagieren der Journalisten im Social-Media Bereich, sowie das zu Verfügung stellen von Plattformen auf der Diskussionen zwischen den Konsumenten stattfinden können. Das ist wichtig, nicht nur für die Times, sondern für alle Nachrichten-Agenturen.

2. Die Belegschaft

Innerhalb der einzelnen Ressorts wird es zu einigen Veränderungen kommen. Die Spitze des Nachrichten-Dienstes möchte seine Journalisten in wichtigen Themen und Bereichen weiterbilden. Die Times besitzt die renommiertesten Journalisten des Planeten und möchte diese weiter Ausbilden: Der eigene Standard soll auf verschiedenen Plattformen und in den verschiedensten Arten gesichert werden.

Jedoch sind sich alle bewusst, dass es vor Allem im digitalen Bereich zu wenig Fachkräfte gibt. Deswegen werden mehr externe Experten in Zukunft eingestellt. Top ausgebildete Grafik-Editoren, Foto- und Video-Journalisten und internationale Reporter stehen hierbei ganz oben auf der Liste.

Diversität ist ein Schlagwort in vielen Firmen unserer Zeit geworden, auch die New York Times ist dabei keine Ausnahme. Die Idee hierbei ist aber, gleichzeitig das Beste aus dieser Vielfalt herauszuholen, um am Zahn der Zeit zu bleiben und mehr junge Leser zu generieren.

Freelancer sollen mehr integriert werden, da die eigenen Times Journalisten zwar innerhalb des Verlages mit der Qualität der Artikel in Verbindung gebracht werden, die Leser jedoch dies nicht machen. Der Konsument schließt von einem schlechten Bericht direkt auf den Wert des gesamten Mediums und nicht auf die der einzelnen Ressorts. Wichtig ist dabei zu bemerken, dass die meistgelesenen Artikel und jene mit dem besten Feedback meist aus Freelance-Arbeit entstehen. Logischerweise soll dies nun mehr unterstützt werden.

3. Die Art und Weise wie innerhalb der Times gearbeitet wird

Die Identität innerhalb der Abteilungen soll gesichert und klar erklärt sein, damit jeder Journalist weiß was die Mission und die Ideologie seiner Abteilung ist. Also Fragen wie

„Über was wird (oder nicht) berichtet?“
„Wie unterscheiden wir uns von der Konkurrenz?“
„Wen möchten wir erreichen?“
„Wie sieht Erfolg für uns aus?“
„Welche Soft- und Hardskills werden benötigt?“
„Wie wird mit den anderen Abteilungen zusammengearbeitet?“

Die Ziele die für die Zukunft gesetzt werden, sollen nicht nur in der Spitze klar definiert werden, sondern sollen für jeden Mitarbeiter verfügbar sein. Ebenso sollen diese Ziele regelmäßig gemessen und analysiert werden.

Die Art und Weise wie editiert wird, soll sich ändern. Weniger Augenmerk auf das Verschieben von einzelnen Zeilen und Paragraphen und mehr auf Konzentration auf Konzeptionelles editieren.

Als letztes soll die Arbeits- und Denkweise der Times geändert werden. Es soll weg vom traditionellem Print-Denken. Der Print-Bereich soll nicht mehr die dominanteste Rolle sein, sondern es soll eine Balance zwischen Online und Print erreicht werden, um sich mit, und nicht gegen die Zeit zu wandeln.

Die New York Times hat sich viel mit dem Zeitgeist befasst und hat sich große und ambitionierte Ziele gesetzt. Das wichtige hieran ist, dass sich andere Nachrichten-Dienste daran ein Beispiel nehmen sollten; erst recht jene im deutschsprachigen Raum. Wenn die Times mit ihrer „Agenda 2020“ Erfolg hat und sich erst dann unsere Presse-Agenturen daran orientieren, wird der deutsche Journalismus große Probleme haben. Man darf also sehr gespannt auf die Entwicklungen der Zukunft sein.

Im ursprünglich veröffentlichen Report der New York Times werden mehr Details genannt. Zu finden ist der Artikel unter diesem Link.