Die Medienindustrie weltweit ist sehr vielfältig. Über Print-, Radio-, Online- und bis hin zu Fernsehmedien wird viel angeboten. Der Pluralismus der Meinungen und die Art und Menge an Informationen, die uns tagtäglich erreichen, werden von Land zu Land anders gehandhabt. 

Im Folgenden bringen zwei Experten die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der aktuellen Mediensituation beider Länder auf den Punkt. Ist die Meinungsbildung im stetigen Wandel als Spiegelbild der Gesellschaft zu verstehen? Einen kurzen, aber tiefen Einblick in die Thematik bieten uns Kerem Schamberger und Alexander Koenitz.

Abhängigkeit türkischer Medienunternehmen

Die türkische Medienlandschaft ist seit 2007 einer starken Veränderung ausgesetzt. Seit 2013 hat die AKP-Regierung unter Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdogan eine Art türkischen Medienpool geschaffen.

In einem Interview mit Kerem Schamberger – Student der Kommunikationswissenschaft und politischer Aktivist aus München, der seine Beobachtungen und seine kritische Berichterstattungen über seinen Blog kundtut – erfährt man seine Sichtweise auf die aktuelle mediale Situation in der Türkei.

Das Mediensystem konzentriert sich stark auf Wirtschaft und Politik. Das duale Rundfunksystem ist in den dominanten privaten Mediensektor und in die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt unterteilt. Hierbei herrscht ein ungleiches Machtverhältnis. Namhafte Wirtschaftsunternehmen besitzen größtenteils die privaten Medien. Sie dienen als Investoren in die Medienlandschaft und in branchenfremde Sektoren. Durch die wirtschaftliche Verflechtung und dem großen Interesse an lukrativen Regierungsaufträgen seitens der Medienkonzerne verzichten die Redaktionen gezwungenermaßen freiwillig regierungskritisch über die AKP-Regierung zu berichten. Es handelt sich um eine eigens auferlegte „Kultur der Selbstzensur“.

„Man kann sagen, dass 90 Prozent aller Medien in der Türkei zu Unternehmen gehören, die entweder direkt AKP-Politikern oder Familienmitgliedern von Politikern oder Unternehmern, die AKP Politikern nahe stehen, gehören.“

Nach dem Militärputschversuch haben sich die Strukturen nicht geändert. 10 Prozent der Medien, die unabhängig von der Regierung berichtet haben, wurden verboten und geschlossen, darunter 160 Print-Angebote und TV-Sender. Mittlerweile sind 95 Prozent der Medien vom Staat zensiert.

 

Charakteristiken der Medienlandschaft in Deutschland

Im deutschen Mediensystem erscheint die Koexistenz von öffentlich-rechtlichen und privaten Medien auf selbstverständliche Weise miteinander verbunden. Die Presse- und Meinungsfreiheit wird vom Grundgesetz garantiert und ist somit ein verfassungsrechtlich geschütztes Gut. Zensur findet so gut wie gar nicht statt, da die Regierung nicht mitzureden hat was im Fernsehen zu laufen oder in der Zeitung zu stehen hat.

„Das funktioniert dadurch, dass die Journalisten aus einer bestimmten sozialen Herkunft kommen und einen bestimmten Ausbildungsweg durchlaufen, so häufig ähnlich denken. Das entspricht keiner Zensur.“

Ein Statement von Alexander Koentiz – Head Editor Web bei BLN.fm, Video Content Manager und Consultant bei Paradise Distribution, der im Gespräch mit uns die Hauptmerkmale erläutert hat.

Zum einen gibt es die klassische Unterteilung in Gattungen: Presse-/Print- und Rundfunksektor. Vor 50 Jahren gab es nur wenige Möglichkeiten Rundfunk zu betreiben, zumal es sehr teuer war und wenige Kanäle auf dem Markt etabliert waren.

Zum anderen unterteilt sich die Medienlandschaft in die privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen, die gemeinnützig auftreten oder nicht stark an Profit interessiert sein können, und den öffentlich-rechtlichen Medien – vor allem im Rundfunk.

 

Zukunftsprognosen

Die aktuelle mediale Situation zeigt, dass weltweit ein abwärts Trend stattfindet, wenn es sich um die Presse- und Meinungsfreiheit handelt. Einzig das Internet gilt noch als freies Medium. Auch dort versucht die türkische Regierung durch Sperrungen von Nachrichtenseiten und Social Media-Plattformen und -Profilen – Facebook, Twitter uvm. – einzugreifen. TV ist das meist konsumierte Medium,  das von einem Großteil der türkischen Bevölkerung genutzt wird. Nur Wenige wissen, wie mit Sperrungen im Internet umzugehen ist.

Ebenso ist die Entwicklung des privaten, deutschen Mediensektors nicht vielversprechend. Die sozialen Medien liefern Inhalte in der Art ihrer Nutzung und ihre jeweiligen Produkte schnell, bequem und erfüllen alle Bedürfnisse – wie es früher nur den Zeitungen und Magazinen möglich war. Traditionelle Printmedien verlieren an Bedeutung und durchlaufen eine Abwärtsspirale: Die Nachfrage und die Reichweite der Zeitungen/Zeitschriften sinkt. Die Auflagenzahlen nehmen ab. Die Produktion von bedruckten Ausgaben wird erschwert, da Erlöse im Verkauf und in der Werbung weniger werden. Auch wenn sich die Entwicklung nicht umkehren lässt, wird es immer absolute Liebhaber für traditionelle Medien geben, die das Bedruckte als Quelle der Information und Aufklärung akzeptieren und nutzen.

Titelbild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)