Für 20€ nach London. Mit 10€ nach Mailand. Nur für 5€ nach Köln. Das verspricht die irische Billigfluggesellschaft Ryanair. Jedoch kursieren etliche Vorwürfe über die Sicherheit der Low Cost Airline in den Medien. Auch Pilotengewerkschaften wie Cockpit und Sepla kritisierten Ryanair, die Airline spare bewusst an Kerosin. Horst FM hat die Top 3 der Vorwürfe gegen die Fluglinie unter die Lupe genommen und einen Experten der Fluggesellschaft Airberlin befragt.

Von Melisa Daglar

Ohne Schnick-Schnack, so soll es laufen in Michael O’Leary’s Welt. Der irische Unternehmer übernimmt 1993 die Führung bei Ryanair und setzt alles auf das klassische Billigflug Prinzip: Niedrigste Preise – keine Extras.

„RYANAIR SETZT IHRE PILOTEN UNTER DRUCK, DAMIT SIE AN TREIBSTOFF SPAREN.“

Ganze drei Flugzeuge, die in Madrid gestartet sind, mussten am 26.Juli 2012 in Valencia notlanden. Der Grund: Zu wenig Treibstoff. Seitdem heißt es, Ryanair würde ihre Piloten unter Druck setzen, damit an Treibstoff gespart werden kann. Das wirft die spanische Pilotengewerkschaft Sepla Ryanair vor. Auch die deutsche Pilotengewerkschaft Cockpit kritisierte Ryanair ähnlich. 

Die irische Zeitung The Independent berichtete, dass die Piloten Briefe erhielten, in denen der „übermäßige“ Verbrauch an Kerosin thematisiert wurde. Ryanair wies darauf hin, dass so ein Verhalten aus finanziellen Gründen nicht geduldet wird. Doch wann hat ein Flugzeug ausreichend Tank und wieso haben manche das nicht? Wir fragen den Experten: 

„Treibstoff haben wir eigentlich immer genug dabei, rein rechtlich gesehen! Wieviel Sprit ein Pilot dann noch extra mitnimmt, ist einem selbst überlassen und sollte mit dem Kollegen im Cockpit anhand von Wetter und Verkehr gewählt werden. Jeder versucht Sprit sparend zu fliegen, aber das niemals zu Lasten der Sicherheit. Was wir Piloten bei einer Strecke von z.B. Berlin – Stuttgart immer dabei haben (auch Ryanair):

Sprit für die Flugzeit von Berlin nach Stuttgart, Rollsprit und Sprit für ca. 1h, der dafür gedacht ist, zu einem anderen Airport zu fliegen falls Stuttgart geschlossen hat, schlechtes Wetter ist oder der Verkehr es nicht zulässt mit ausreichend Sprit zu landen.“

„BEI RYANAIR IST DIE SICHERHEIT DER PASSAGIERE NICHT GEWÄHRLEISTET.“

Ryanair benutzt die bordeigenen Lufttreppen. Aus einer WDR Reportage kann man entnehmen, dass die Treppe aus Sicherheitsgründen laut dem Hersteller Boeing nur für den Ausnahmefall gedacht sei und nicht für den Standard Gebrauch. In einem Gespräch mit Wn-Redakteur Peter Beckmann wird O’Leary gefragt, ob die Sicherheit der Passagiere durch die schmalen und sehr steilen Treppen nicht gefährdet wäre. Er stritt ab: „Alles nur Gerede. Wir nutzen diese Treppe seit 29 Jahren. Die Treppen der Flughäfen kosten Geld, Ryanair eliminiert alles Unnötige.“

„Es ist völlig in Ordnung das Ryanair ihre Airstairs benutzt. Durch diese Airstairs sparen sie enorm viel Zeit am Boden. Wir in TXL müssen sehr oft und lange auf Gangway Fahrer und Treppenpersonal warten, da diese immer unterbesetzt sind. Wenn darauf jemand nun ausrutscht oder sich was tut, weiß ich leider nicht wie das rechtlich ist. Aber sie darf auf jeden Fall genutzt werden“, sagt der Experte.

RYANAIR VERLETZT DIE RECHTE DER PILOTEN.“

In der WDR Reportage sehen wir auch, wie ein Pilot der Airline fast zusammenbricht, als er von seinen Arbeitsbedingungen erzählt. Es kursiert das Gerücht, die Piloten würden ungerecht behandelt werden. Wir fragen den Piloten von Airberlin, ob er ein Jobangebot von Ryanair annehmen würde:

„Derzeit würde ich es ablehnen für Ryanair zu arbeiten. Ich bin sehr froh eine Festanstellung bei einer deutschen Airline zu haben. Wir haben Personalvertretung, Tarifkommission, dt. Arbeitsrecht und Kündigungsschutz. Ich kann Elternzeit nehmen und ich darf auch mal krank sein und mir nicht gleich Gedanken machen müssen, ob ich jetzt meinen Job verliere oder mein Gehalt gekürzt wird. Das sieht bei Ryanair nämlich etwas anders aus.“

In der Reportage wird über die Arbeitsatmosphäre geredet: „Das Personal ist dem Unternehmen ausgeliefert. Auch wenn etwas für nicht sicher gehalten wird, darf nichts sicherheitskritisches geäußert werden. Das Klima ist sehr negativ, fast schon angsteinflößend.“

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er mit Ryanair fliegen möchte oder nicht. Wer trotz all den Reportagen, Artikeln und Erfahrungsberichten auf die Airline vertraut, sollte sich einer Sache sicher sein. Kostenfalle ist garantiert! Es ist alles geregelt, denn für jede denkbare Situation kann eine Gebühr verlangt werden. Man muss allerdings bedenken, dass dies bei vielen Billigfluggesellschaften der Fall ist. Wir von Horst FM werfen einen Blick auf die Website von Ryanair und finden eine Gebührentabelle. 10€ für Übergepäck pro Kilogramm. 160€ für eine Namensänderung auf der Bordkarte. „So macht Ryanair sein Geld“, sagt ein Angestellter. Ein prüfender Blick mehr schadet also beim Fliegen mit Ryanair nicht.

Foto: © Ad Meskens / Wikimedia Commons   CC BY-SA 3.0