Die Werbespots von EDEKA sorgen seit einigen Jahren für Aufsehen bei den Zuschauern. Der „supergeile“ Friedrich Lichtenstein und „Hyper Hyper“-Scooter wurden im Jahr 2015 von dem traurigen Rentner im „#Heimkommen-Spot“ abgelöst. Dieses Jahr allerdings sorgt die Werbung des Lebensmittelriesen in Deutschland für Empörung.

Der aktuelle Werbespot steht unter dem Thema #Zeitschenken. Zu Beginn des Spots fährt ein Wagen vor. Die Besonderheit dabei: Das Kennzeichen ist in Deutschland verboten. „MU SS 420“ enthält zum einen die Buchstabenkombination „SS“ (Schutzstaffel) und die Zahl „420“. In einem Interview mit dem „Manager-Magazin“ erkannte die Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung in Hamburg, Sabine Bamberger-Stemmann, einen klaren Zusammenhang der Zahl mit Hitlers Geburtstag (20. April/20.4.).

Dummer Zufall in der Kontrollebene von EDEKA oder ein Missgeschick der beauftragten Werbeagentur Jung von Matt? Auf den ersten Blick eher Zweiteres, denn die gestresste Mutter wiederholt in der Werbung immer wieder den Satz „Ich muss noch …“. Wäre da nicht noch ein zweiter Wagen, der im nächsten Moment Aufsehen erregt. Die Aufschrift „SO LL 3849“ ist nur einen Sekundenbruchteil zu erkennen. Darin enthalten ist die Zahl „84“. Diese Kombination steht für „Heil Deutschland“, wobei die Zahl von der „39“ eingerahmt wird. Diese gilt als Code, der die „Christliche Identität“ symbolisiert, und in rechten Gruppierungen für Antisemitismus steht.

Auf unsere Nachfrage erklärte sich der EDEKA-Konzern:

„Für das Online-Video #Zeitschenken haben wir die beiden im Film sichtbaren Nummernschilder in Anlehnung an den Titelsong („Muss noch dies, muss noch das…“) und den Story Inhalt durch „MU-SS 420“ und „SO-LL 3849“ ersetzt. Beide Autokennzeichen sind reine Fantasiekennzeichen und eine Verbildlichung der Worte „Muss“ und „Soll“. Die Zahlenkombinationen sind ebenfalls rein fiktiv und wurden in der Postproduktion per Zufall ausgewählt und eingebaut.

Wir bedauern sehr, wenn hier ein falscher Eindruck erweckt wurde. Dies lag keinesfalls in unserer Absicht. Bitte seien Sie versichert, dass sich EDEKA von rechtsradikalem Gedankengut distanziert und jegliche Form von Diskriminierung ablehnt.“

Für alle zukünftigen Medienschaffenden schließlich der Tipp aus der HorstFM-Redaktion: Lasst niemals die Postproduktion „zufällig“ Zahlen in euren Werbespots aussuchen. Denn sonst seid ihr auf einmal nicht mehr „supergeil“, sondern verantwortlich für große Diskussionen.

Über Nacht zum Nazi

Auch die Kollegen von extra 3 haben sich mit der Thematik der aufkommenden Nazisymbolik befasst und zeigen in ihrem Video, dass jeder Mensch auch über Nacht zum „Nazi“ werden kann.

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