Ein opportunistischer Geschäftsmann im Rennen um das Weiße Haus. Seelenlos, kalt und ein Chauvinist. Eigentlich sollte dieser Mann keine Chance haben, Präsident zu werden… und er wurde es auch nicht. Denn diese Sätze beschrieben im Jahr 2012 den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. In den deutschen Medien war auch Romney unter Dauerfeuer, während Obama als Retter angesehen wurde.

„Ihr durchgeknallten Amis, seid ihr wirklich so bescheuert diesen Irren zu wählen? Euch haben sie doch ins Gehirn geschissen! Also echt jetzt ey…!“ Mit diesen Worten beendet Jan Böhmermann seine Dokumentation über den Wahlkampf in den USA. Kurz darauf stimmt er das Lied „Grab the whole world by the pusssy“ an. Die Doku ist alles in allem recht gut gelungen. Böhmermann spielt in den ersten zwei Akten den naiven Deutschen, der sich von den Sprüchen Trumps einlullen lässt. Doch erkennt er mit jeder vergangenen Minute des 46 Minuten langen Satire-Beitrages immer mehr die Dummheit und Faktenlosigkeit eben jener Ansichten. Objektiv betrachtet ist es auch erstaunlich und interessant zu beobachten, was dieser Wahlkampf aus den Menschen macht.

Hillary ist das kleinere Übel

Da gibt es zum Einen die Anhänger Donald Trumps, die mit jedem neuen Skandal abgestumpfter werden. Die gefühlte Hälfte Amerikas (nach einer aktuellen Umfrage des Börsen- und Newsfeeds Bloomberg liegt Donald Trump nur drei Prozentpunkte hinter Hillary, mit 41% – 44%) steht mittlerweile sogar hinter den meisten Aussagen Trumps. Wo vor ein paar Jahren noch landesweite Aufschreie und Demonstationen stattgefunden hätten, findet man heute Menschen, die die sexistischen und rassistischen Behauptungen des republikanischen Kandidaten als Wahrheiten unterschreiben.
Zum anderen gibt es aber auch Menschen, die sich nicht sicher sind, oder eben jene die nur deswegen Hillary wählen, weil sie „das kleinere Übel“ ist.
Und in Deutschland? Laut einer Umfrage der Zeit wollen mehr als 70%  der Deutschen, Hillary im „Office“ sehen. Doch wird im Vergleich wenig über die Affären einer Hillary Clinton berichtet, da sich ja der Quoten Magnet Trump im Rennen befindet. Warum sollten sich Journalisten und Satiriker wie Böhmermann oder die Heute Show, mit Skandalen wie Benghazi, der Clinton Foundation, oder der Whitewater Affäre auseinandersetzen? Ja es stimmt, das Clinton in keinem dieser Untersuchungen als schuldig befunden wurde, aber ist das nun die neue Hürde für den Sitz des einflussreichsten Jobs der Welt? Eine Frau, die die nationale Sicherheit einer Großmacht auf das Spiel gesetzt hat, weil sie nach eigenen Angaben keine zwei Blackberrys benutzen wollte und einen privaten E-Mail Server in ihrem Keller hatte, der sich bereits zur Amtszeit ihres Mannes dort befand, kann womöglich die nächste Präsidentin werden.

Egomane vs. Businessfrau – oder doch alles Echsenmenschen?

Sollten sich die Medien in einem Land, dass so stark vom Ausgang dieser Präsidentschaftswahl beeinträchtigt werden kann, nicht beide Kandidaten genauer unter die Lupe nehmen? Sollte man nicht verärgert den Kopf schütteln, wenn man eine Wahl zwischen Pest und Cholera beobachten muss?
Wer weiß schon, wie die Wahl schlussendlich ausgehen wird. Wird es ein sexistischer, rasisstischer, größenwahnsinniger Egomane oder eine kalte, Businessfrau, welche im 21. Jahrhundert immer noch Probleme hat ihre Mails zu verschicken und anscheinend nicht genügend Taschen für zwei verschiedene Handys hat.
Vielleicht ist Trump aber auch ein brillianter Schauspieler, der den rechten Flügel der Republikaner zum Einsturz bringen will und Amerika zu einem friedvollen Land voller Nächstenliebe formen wird; Vielleicht ist Hillary Clinton in Wahrheit ein gefährlicher Echsenmensch, welcher den momentanen Echsenmenschen ablösen soll.

Titelbild: DonkeyHotey – CC-BY SA 2.0