Wie sich mein Wunsch des Studierens in den Kampf der Realität verwandelte

von Katharina Reddemann

Punkt 14.10 Uhr stehe ich in einer mit wohl geordneter Stuhlbesetzung großen Halle. Vor mir eine Bühne die im Hintergrund mit einer Leinwand bestückt ist. Es ist der Beginn des Wintersemesters 2014/2015 und der Audimax der Freien Universität Berlin ist schon halb besetzt. Je mehr Leute eintreffen, desto lauter wird es und ich staune, dass trotz 1202 möglicher Sitzplätze schließlich nicht alle der Neustudierenden eine Sitzgelegenheit finden. Da ist absolut keiner, den ich wiedererkennen könnte, also setze ich mich brav nahe der Bühne in die erste Reihe, um mich weniger verloren zu fühlen.
Während der Präsentation über die Studienlaufbahn, die Leistungspunkte und den Online-Campus erfahre ich das Gefühl des Studierens, auf das ich als Höhepunkt meiner Schullaufbahn in zwei Jahren Abitur hingearbeitet habe. Die Moderatoren der Veranstaltung erklären in zweieinhalb Stunden ununterbrochen in einer komplizierten Fachsprache das System meines Studiums. Und während des Rundgangs des Hauptgebäudes nach der Präsentation fühle ich mich nicht weniger verloren.

Dieses Gefühl verlässt mich auch im Laufe der Semester nicht. Mein Hauptfach stellt sich als für mich nicht attraktiv heraus – wobei sowohl die Berufsaussichten als auch die theorielastigen Module meine Entscheidung den Studiengang zu wechseln stark beeinflussen.

Dem System der FU Berlin gebe ich noch eine weitere Chance und bewerbe mich 2 Jahre später für den Studiengang Publizistik- und Kommunikationswissenschaften, der allerdings an einen sehr hohen Numerus Clausus gebunden ist. Um einen Platz in diesem Studiengang zu bekommen, muss ich ein sehr kompliziertes Bewerbungsverfahren auf mich nehmen. Drei Monate langes Zittern hilft jedoch nichts: es folgt die Ablehnung, selbst im Nebenfach.

Es stellt sich die Frage, die sich sicherlich schon viele stellen mussten: Was nun? Warum wird es mir so schwer gemacht?

Nach langer Überlegung und Kopfzerbrechen mit meinen Eltern über meine Zukunft muss Plan Z her: Die Bewerbung an einer privaten Hochschule. Glücklicherweise nimmt die Hochschule der populären Künste (hdpk) noch Bewerbungen für das Wintersemester 2016/2017 an – es ist ja schon September – und um 5 vor 12 werde ich nach dem bestandenen Auswahlverfahren aufgenommen.

workshop_open_space
Zwei Jahre und mehrere Rückschläge später stehe ich wieder in einem Saal mit Reihen von Stühlen und einer Bühne mit Leinwand – allerdings kann ich die Stühle diesmal einfach abzählen. Trotzdem ich niemanden von den anderen „Erstis“ kenne, komme ich gleich mit Sitznachbarn ins Gespräch. Zu Beginn der Präsentation lerne ich den Rektor und die Studiengangsleiter kennen, die sich alle durch einen kurzen, persönlichen Vortrag vorstellen und alle Neulinge Willkommen heißen. Um einen studiengangs-spezifischen Eindruck zu gewinnen, verteilen sich die 110 neuen Studierenden in die einzelnen Fachgruppen auf.

Den Seminarraum meiner Gruppe zu finden ist nicht schwer – er ist wenige Meter von der Lounge entfernt und befindet sich in einem schmalen Gang. Insgesamt verteilen sich die Räume der hdpk auf zwei Stockwerke.

Als ich das Zimmer betrete und die 35 Gesichter meiner neuen Kommilitonen betrachte, spüre ich das Gefühl, wonach ich gesucht hatte: endlich angekommen zu sein.

gruppenfoto_erstis_2016

Erstsemesterjahrgang WS 16/17 der hdpk

Beitragsbild: Monique Küsel

Fotos: Monique Küsel

Künstlerseite von Monique Küsel: http://www.grossstadtfux.com