Die EU-Kommission will den ansteigenden Flüchtlingszahlen mit einem klaren Plan begegnen. Bislang fehlen jedoch konkrete Ausführungen für das Vorhaben zur Rettung der Flüchtlinge. In Berlin macht eine Schuldemonstration auf die Bedeutsamkeit jedes einzelnen Menschenlebens aufmerksam.

Am Morgen des 24. Aprils kündigen Polizisten bereits aus kilometerweiter Entfernung den bevorstehenden Zug an. Je näher die uniformierte Truppe heranrückt, desto lauter werden die Rufe der Demonstranten. Deutlich sind die Aufforderungen zur Kehrtwende der Einwanderungspolitik zu hören. „Von wegen das Boot ist voll, wir können eure Argumente nicht mehr hören!”, ruft ein 17-jähriges Mädchen ins Mikrofon.

Wer übernimmt die Verantwortung für die Leben so vieler Menschen?

Laut Zahlen der UNO waren im vergangenen Jahr 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. So viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Allein in Deutschland gingen im Jahr 2014 rund 202.000 Erstanträge auf Asyl ein, von denen 25% die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Konvention erhielten.

Gegen Mittag tauchen an der Kreuzung Unter den Linden/Wilhelmstraße eine Gruppe von Grundschulkindern auf. Sie tragen gelbe Westen und Banner: “MARE NOSTRUM 2.0” steht da. Und unter wildem Applaus ziehen sie vor der Europakommission auf. „Menschen retten – das ist wichtig!” fordern sie, und die gesamte Demo-Fraktion steigt in den Rufgesang ein. Dabei ist den Kindern ihre Sache ernst: sie fordern eine humanere Behandlung der politischen und wirtschaftlichen Flüchtlinge, egal woher sie kommen mögen.

Denn was soll mit den übrigen, knapp 70% der Flüchtlinge geschehen, die kein Asyl erhalten haben? Wer übernimmt die Verantwortung für die Leben von ca. 140.000 Menschen ohne Unterkunft?

Ausgelotete Kapazitäten

Als ersten Hieb verfasste die EU-Kommission einen 10-Punkte-Plan zur Lösung des Problems. Diese DIN-A4 Seite enthält bisher wenig, was man konkret als Maßnahme bezeichnen könnte. Auch fehlt es an Mithilfe der restlichen EU-Länder – und die deutsche Regierung: die ist sich noch unsicher, wie man zu der Flüchtlingsfrage Stellung nehmen will.

5.000 Immigranten sollen laut des 10-Punkte-Plans erst einmal über ganz Europa verteilt werden. Thomas de Maizière von der CDU warnt, dass die Kapazitäten der Kommunen bereits ausgelotet seien.

Die Jüngsten auf der Berliner Schuldemonstration wissen was zu tun ist: “Die können auch bei mir einziehen, mein Bruder hat noch voll viel Platz”, heißt es da.