Geflohen in ein fremdes Land mit einer unbekannten Sprache müssen Flüchtlinge sich integrieren. Zum Glück gibt es einige Menschen, die ihnen helfen wollen und freiwillig Deutschunterricht geben. Die Möglichkeit, unsere Sprache zu lernen gibt vielen eine Chance  für eine bessere Zukunft. Horst FM besuchte einen der Kurse an der SRH Hochschule der populären Künste (hdpk) und hat sich bei den freiwilligen Helfern umgehört.

-von Franziska Groß

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Zurück auf die Schulbank

Die Blicke der Schüler sind auf die Tafel gerichtet. Heute lernen sie die Zeiten im Deutschen. Dazu zeichnet Maxim einen Zeitstrahl an die Tafel. Nach und nach sollen die Schüler das Gelernte anwenden und von ihrem Tag berichteten. „Ich habe gegessen, ich habe getrunken und ich habe geschlafen“, erzählt ein junger Mann aus Afghanistan. Im Anfängerkurs sind an diesem Tag fünf junge Männer und zwei Frauen. Maxim erzählt, dass die Teilnehmerzahlen oft schwanken. Er unterrichtet seit Januar. Durch seine Frau, die an der hdpk studiert, hat er erfahren, dass Lehrer für den Deutschunterricht gesucht werden. Wie bei den Flüchtlingen, ist Deutsch nicht seine Muttersprache. Aus diesem Grund entschied er sich, den Unterricht für Flüchtlinge zu leiten: „Ich kenne die Schwierigkeiten beim Lernen der deutschen Sprache sehr genau und  möchte daher meine Kenntnisse weitergeben.“ Vor allem bedeutet es ihm viel, wenn er sieht, wie motiviert seine Schüler lernen und welche Fortschritte sie machen.

Retter in der Not

Selbst in der unterrichtsfreien Zeit stehen die Helfer ihren Schützlingen mit Rat und Tat zur Seite. Ein junger Mann im Kurs der Fortgeschrittenen möchte in naher Zukunft an der Humboldt Universität Agrarwissenschaften studieren. Jedoch ist der Bewerbungsbogen für den Flüchtling unverständlich, sodass seine Lehrerin Theresa ihm helfen muss. Gemeinsam füllen sie alles aus und sie verspricht ihm, den Brief zur Post zur bringen. Die Erleichterung ist dem Mann deutlich anzusehen. Theresa ist schon von Anfang an beim Flüchtlingsunterricht dabei. Der erste Kurs startete im November 2015. Zu Beginn wurde an fünf Tagen in der Woche unterrichtet. Später wurden die Kurse nach Sprachniveau unterteilt, sodass eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe entstand. Dies war leider auf Dauer mit der Anzahl der Lehrer nicht zu leisten. Daher findet der Unterricht nun für beide Gruppen dreimal wöchentlich statt.

Menschen wie Du und Ich

,,Es gab von Seiten der Mitarbeiter und Studierenden den Wunsch, sich für die Flüchtlinge zu engagieren. Da lag das Thema Deutschkurs nahe“, erklärt Torben Lohmüller von der hdpk. Theresa ist eine von diesen Studierenden. „Torben hatte damals in der Campusgruppe nach Freiwilligen gesucht und da habe ich mich einfach gemeldet“, erzählt die junge Studentin. „Viel zu viele Menschen regen sich über Flüchtlinge auf und beschweren sich, dass die Integration nicht klappt. Helfen wollen Sie dennoch nicht. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen, da zu der Zeit eine negative Stimmung vorlag.“ Theresa beschreibt die Schüler als ,,super liebe und herzliche Menschen, die dankbar für jede Hilfe sind.“ Bis heute hat sie noch keine negativen Erfahrungen mit ihnen gemacht. Am meisten macht ihr der Austausch mit den Schülern Spaß und das Entdecken einer neuen Kultur. Ein weiterer freiwilliger Helfer ist Jonas, der durch Theresa vom Deutschunterricht erfuhr und sich sofort dafür interessierte. Er möchte mit dem Flüchtlingsunterricht sein Know-How aus seinem angefangenen Lehramtsstudium einbringen. Der Student steht gerne vorn an der Tafel. ,,Ich liebe das Unterrichten, sonst würde ich es nicht machen.“ Für ihn sind die Flüchtlinge ganz normale Menschen, denen er seine Sprache beibringen möchte. Besonders stolz ist er darauf, dass seine Schüler gerne zum Unterricht kommen.

Durch das gegenseitige Interesse von Seiten der Schüler und Lehrer entsteht eine angenehme Atmosphäre und der Austausch bereichert alle. Jeder der Helfer hat seine persönlichen Gründe, warum er sich dazu entschieden hat zu unterrichten und die Geflüchteten sind dankbar für das Engagement.

Wenn auch du bei dem Projekt mithelfen möchtest, findest du auf der Facebook-Seite der hdpk alle Infos.

Beitragsfoto:  geralt (CC0 1.0)

Foto: Franziska Groß