Twitter beteiligt sich mit 70 Millionen Dollar am Musikdienst SoundCloud, berichtet das Technik-Magazin Recode.
Das Berliner Start-up freut sich, doch was will Twitter mit einer Musik-Sharing-Plattform? Und was kann SoundCloud mit dem Millionen-Investment anfangen?

smartphone_musicstreaming_spotify_soundcloud_Beide Unternehmen kämpfen im Moment mit Schwierigkeiten:
Soundcloud ist mit derzeit rund 175 Millionen Nutzern nach eigenen Angaben inzwischen zu einem der größten Musikdienste im Internet geworden. Doch sie haben noch keinen Weg gefunden, damit ordentlich Geld zu verdienen. Im Jahr 2014 machte SoundCloud 39 Millionen Euro Verlust. Viele Hoffnungen werden nun in das neue Abo-Bezahlmodell gesetzt.

SoundCloud Go soll’s richten

Seit März ist SoundCloud Go in den USA, UK und Irland verfügbar: Für 10 US-Dollar im Monat kann werbefrei gestreamt und Musik heruntergeladen werden. Zusätzlich zum frei verfügbaren Soundcloud-Katalog wurden mit allen großen Major-Labels Verträge geschlossen. Doch wirklich überzeugen kann der Dienst bisher noch nicht: Der Audio-Blog Tonspion bemängelt vor allem die Songauswahl und dass es keine Trennung zwischen Original-Songs und Remixes gibt, was zu einem riesigen Durcheinander führt. Der Analyst Mark Mulligan sieht als Problem, dass SoundCloud Gefahr laufe, in der Masse anderer Streaming-Dienste unterzugehen. Im Interview mit dem Wired-Magazin erklärt Mulligan weiter: “Statt die offene Plattform zu betonen, das Miteinander von Künstlern, Remixern und leidenschaftlichen Musikfans, biete SoundCloud im Wesentlichen das Gleiche wie alle anderen.“
Der Einstieg von Twitter kann nun dabei helfen, den Dienst auszubauen. Doch an der grundlegenden Schwierigkeit, mit Musik-Streaming Geld zu verdienen, ändert das nichts.

Snapchat überholt Twitter

Bei Twitter lief anfangs alles rund: In den vergangenen Jahren entwickelte sich das Nutzerwachstum rasant. Im April 2010 hatte Twitter 105 Millionen aktive Nutzer. Nach dem ersten Quartal 2016 meldete der Internet-Konzern 310 Millionen Nutzer. Doch im letzten Jahr konnte Twitter nur 8 Millionen neue Nutzer verzeichnen. Zum Vergleich: Facebook erreichte im selben Jahr 200 Millionen. Auch der neue Hype Snapchat hat täglich mehr Nutzer als Twitter, berichtet der Blog Internetworld. In Deutschland ist der Kurznachrichtendienst nie so richtig groß geworden. Mit einem Musikstreaming-Angebot könnte Twitter seine Nutzer länger auf der Plattform halten. Auch wenn es nicht so leicht vorstellbar ist, wie Musikstreaming auf Twitter integriert werden sollte.

„Streaming kein tragfähiges Geschäft“

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Kooperation der beiden Unternehmen entwickelt. Im Markt der Musik-Streaming Dienste wird sich durchsetzten, wer zuerst ein vernünftiges Bezahlmodell entwickelt und mit seinen Nutzern Geld verdient.
„Unter den derzeitigen Bedingungen ist Streaming kein tragfähiges Geschäft“, argumentiert Mulligan — zumal ein Abo prinzipiell nur für eine Minderheit interessant sei. „Die meisten Menschen sind nicht bereit, monatlich Geld für Musik auszugeben“, sagt Mulligan. „Das zeigt unsere Marktforschung immer wieder.“
Der Bundesverband der Musikindustrie zeigt für Deutschland ein besseres Bild: Das Digitalgeschäft ist 2015 deutlich stärker gewachsen als im Vorjahr. Ein Plus von 30,8 Prozent. Die Einnahmen aus Streaming-Subscription-Services, also Plattformen wie Spotify, Deezer, Napster oder Apple Music, schossen um 105,8 Prozent in die Höhe. Sie stehen inzwischen für 14,4 Prozent der Umsätze im deutschen Musikmarkt. Diese Entwicklung hat die bisherigen Prognosen noch deutlich übertroffen, und durch sie können die Rückgänge im physischen Markt (-4,2 Prozent) und bei den Download-Umsätzen (-2,6 Prozent) mehr als ausgeglichen werden.

SoundCloud muss sich beweisen

Wenn SoundCloud in diesem Markt seine Position stärken will, hat es eine große Aufgabe vor sich. Hinter AppleMusic steht eines der wertvollsten und finanzkräftigsten Unternehmen der Welt und auch Spotify hat durch Kooperationen – es gibt unter anderem einen eignen Lautsprecher und sogar Crowdfunding-Projekte zu eigenen Mp3-Playern – einen großen Vorteil im Wettbewerb erreicht.

(Foto: CC0 – Public Domain)