„Ich mag es zwar Stile zu brechen, aber auch sie zu kombinieren“ – Miriam Galler

-Von Yagmur Cellik

Immer mehr junge Kreative zieht es nach Berlin. Schon seit einigen Jahren versucht sich das „Dicke B“ als Modemetropole zu etablieren. In BeFemale interviewt Yagmur Cellik jede Woche Frauen, die Berlin als Standort für ihre kreative Selbstverwirklichung gewählt haben.

Heute ist die 27-jährige Ur-Berlinerin Miriam Galler an der Reihe. Miriam hat vor drei Monaten ihre erste eigene Minikollektion für Zara auf den Markt gebracht.

Miriam, du bist Ur-Berlinerin. Könntest du dir vorstellen, für einen längeren Zeitraum woanders zu wohnen? Wo würdest du dann gerne hinziehen?

Miriam: Momentan zieht es mich am liebsten nach Amsterdam, weil Amsterdam vieles in einem intimeren Rahmen bietet, was mir auch Berlin von der Kreativität und dem Lifestyle gibt. Amsterdam ist relativ klein und fast dörflich nach einer gewissen Zeit. Berlin hingegen ist manchmal sehr groß und anonym. Außerdem bin ich jung und denke, dass solange mich nichts in der Stadt hält ich definitiv für eine Weile auch woanders leben sollte.

Du hast einen Bachelor in Kulturwissenschaften gemacht. Wird diese Richtung deinen beruflichen Werdegang beeinflussen oder strebst du nun etwas anderes an?

Miriam: Ich finde es momentan sehr schwierig das herauszufinden, weil einerseits hat mir das Studium sehr viel Spaß gemacht und ich habe in der Zeit viel über mich selbst gelernt, anderseits ist es kompliziert in diesem Bereich beruflich fündig zu werden. Es ist sehr breit gefächert. Ich kann natürlich in irgendwelchen Kulturinstitutionen, in Museen oder in Redaktionen arbeiten, aber mich auf einen bestimmten Bereich festzulegen und da Jobs zu finden, wo ich gerade gefragt bin mit dem, was ich studiert und gemacht habe, erweist sich noch als sehr schwierig.

Inspiriert dich Berlin manchmal nicht, oder langweilt dich sogar – aus der beruflichen Perspektive gesehen?

Miriam: Nein, langweilen tut es mich nie. Berlin ist noch sehr viel in Bewegung und zieht viele Menschen von überall an. Ich denke jeder findet beruflich gesehen hier sein Nest. Es ist gibt hier alles und herrscht sogar ein gewisses Überangebot. Berlin ist noch nicht wie New York oder Paris. Aber man wünscht sich manchmal weniger Auswahl hier, damit Menschen wie ich, zwischen 20 und 30 Jahren, leichter Entscheidungen treffen und sich schneller festlegen können.

Gibt es einen Job, den du unbedingt in deinem Leben ausüben möchtest?

Miriam: Ich denke momentan sehr viel darüber nach, weil wenn ich mir jetzt einen bestimmten Job aussuchen könnte, wüsste ich nicht genau, welcher das ist. Ich weiss natürlich, was ich besser und schlechter kann und dass ich mich auch sehr viel für Mode interessiere und gerne in dem Bereich etwas machen würde. Ich bin organisatorisch und pragmatisch veranlagt. Deswegen brauche ich eine pragmatische Tätigkeit in einem kreativen Bereich. Das ist das, was ich mir beruflich gesehen vorstelle.

Du wurdest von dem Modekonzern Zara auserwählt stellvertretend für Berlin deine eigene Kollektion in Barcelona zu entwerfen. Nun hat das ganze Projekt international andere Reichweiten erlangt und Prominente wie das Supermodel Bella Hadid und die Sängerin Selena Gomez tragen deine Jacken. Was ist das für ein Gefühl, wenn man seine eigene Kollektion plötzlich an solch berühmten Persönlichkeiten in den sozialen Netzwerken sieht?

Miriam: Es ist amüsant. Ich bin jetzt nicht geschmeichelt. Das ganz Projekt hat mir sehr viel Spaß gemacht und hat Ausmaße angenommen, von denen ich am Anfang noch nichts erahnen konnte. Ich war von Anfang an sehr überrascht davon, dass ich in diese Auswahl gerutscht bin und an dem Projekt teilnehmen konnte. In Barcelona am ganzen kreativen Herstellungsprozess der Klamotten teilhaben und die Designer von Zara kennenlernen und mit ihnen arbeiten zu dürfen, war ein Traumjob. Es ist natürlich schön das Endresultat meines Projekts und meine entworfene Kleidung nun zu sehen. Es interessiert mich auch, wie die Verkaufszahlen sind, wie gut die Kollektion bei den Kunden ankommt und wer meine Klamotten dann überhaupt trägt. Das ist spannend für mich zu beobachten, weil ich auch irgendwie meine Handschrift darunter gesetzt habe.

Willst du weiterhin im schöpferischen Bereich der Mode tätig werden oder stehen nun andere kreative Projekte an?

Miriam: Eigentlich erstmal nicht. Ich schaue schon immer wieder, was ich beruflich machen kann, damit ich mehr am kreativen Prozess der Mode beteiligt bin. Ich denke nämlich, dass es mir liegt und es macht mir Spaß mich mit Trendentwicklungen und Designs auseinander zu setzen. Aber ich werde mich eher für den kleinen Raum inspirieren lassen und paar T-Shirts und andere Sachen entwerfen.

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?

Miriam: Mein Stil ist auf jeden Fall sportlich, lässig und clean. Ich trage weite Schnitte. Ich würde es als Boyfriend Stil bezeichnen. Ich mag es zwar Stile zu brechen, aber auch sie zu kombinieren. Meine Outfits haben sportliche und schicke Elemente.

Foto: Yagmur Cellik