Eine neue App soll die Datingwelt revolutionieren. Ob mit Stalking die große Liebe gefunden werden kann, ist fraglich.

-von Meli Gerges

Auf dem Weg zur Uni fällt dir ein süßer Junge in der Bahn auf. Ihn ansprechen? Dafür bist du zu schüchtern, kennenlernen würdest du ihn aber trotzdem gern. Für diese scheinbar ausweglose Situation haben sich Artem Kukharenko und Alexander Kabakov eine Lösung überlegt: Findface.

Die App macht es dem Nutzer möglich, nahezu alles über eine andere Person herauszufinden, ohne auch nur ein einziges Wort mit ihr zu wechseln. Alles, was dazu nötig ist, ist ein Foto. Innerhalb weniger Sekunden vergleicht die App dieses mit Profilfotos auf sozialen Netzwerken und findet das Profil in 70 Prozent der Fälle. In ihrem Gründungsland Russland hat die App mit mehr als 500.000 Usern bereits großen Anklang gefunden. Alexander Kabakov sieht in der App die Zukunft des Datings. „Wenn du jemanden siehst, der dir gefällt, kannst du ihn fotografieren, seine Identität finden und ihm eine Freundschaftsanfrage schicken“, erklärt er in einem Interview. Ist das noch Romantik oder schon Stalking? Die Grenze scheint in diesem Fall zu verschwimmen. Aber woran liegt es, dass Leute zu solchen Maßnahmen greifen, um jemanden kennenzulernen?

Ist Hollywood an allem Schuld?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage hat die amerikanische Dozentin Julia Lippman. Im Rahmen ihrer Studie „I Did it because I never stopped loving you“ ging sie diesem Thema nach und fand heraus, dass Hollywood-Romanzen unser Verständnis von Romantik verzerren und Stalking verniedlichen. Frauen, die in ihrer Studie eine Romantikkomödie gesehen haben, waren eher dazu geneigt, in einem Fragebogen gängigen Stalking-Klischees wie „Viele vermeintliche Stalking Opfer sind Menschen, die sich rar gemacht und später ihre Meinung geändert haben“, zuzustimmen. Lippman zufolge akzeptieren besonders Frauen durch diese verzerrte Darstellung von Romantik, aufdringliches Verhalten in der Hoffnung auf ein Happy End. „Die Frauen sind dann geneigt zu denken: „Oh, er ist mit Blumen zu meinem Arbeitsplatz gekommen obwohl ich ihm gesagt habe, ich habe kein Interesse. Vielleicht reagiere ich nur über, ich bin sicher, er wollte nur nett sein“, erzählt sie.

Ob FindFace in Deutschland ebenso beliebt wäre wie in Russland, kann derzeit nur erahnt werden. Hierzulande ist die App mit den Datenschutzrichtlinien unvereinbar und deshalb nicht verfügbar. Dass Stalking durch soziale Medien aber auch hier ein wichtiges Thema wird, lässt sich nicht bestreiten. Die moderne Technologie macht es einfacher als je zuvor, ein Trend, der nicht verharmlost werden darf.

Foto niekverlaan ( CC O)