Berlin ist cool, „ahead of the change curve“ und spielt ganz vorne mit im Social Media. Hier ist Abhängen noch eine Beschäftigung und denglisch ein Zeichen für sophistication. Jeder ist mit jedem vernetzt. Alle hier möchten mitreden, machen sich den Milchschaum selbst am Kaffee-Grinder und können ein bisschen SEO. Und weil wir Bescheid wissen, geben wir euch einen random Einblick in das Social Media-Innenleben der Hauptstadt und die Kanäle ihrer viralen Persönlichkeiten. Die folgende Auswahl ist kein Kanon, sondern bloß ein entry point for starters.

1. Michael Müller – Der Bürgermeister

Der Bürgermeister von Berlin

Müller Normalverbraucher wie du und ich: Michael macht Politik und Urban Exploring greifbar

Der Bürgermeister von Berlin als Social Media-Influencer: Wie uncool ist das denn? Wait! Rethink: Wer könnte ein größerer Influencer in Berlin sein, als er. Auf der Facebook-Fanpage von Michael Müller werden fast täglich Updates zu Sportevents, Bürgerinitiativen und Kiez-Konflikten veröffentlicht. Hin und wieder gibt es ein bisschen SPD-Input, aber das stört kaum. Die Social Media-Beauftragten des Bürgermeisters geben sich zumindest viel Mühe, den Mann hinter dem Amt persönlich und nahbar zu inszenieren – stets sachlich und in der dritten Person beschrieben. Wem das nicht gefällt, können dennoch die folgenden Influencer vielleicht überzeugen.

2. Kapitän Kiez – Der inoffizielle Bürgermeister von Berlin

Berlin_ist_Beste

Der Kiez ist für den Menschen da: Manche Ecken lohnt es sich zu bewahren – auch wenn sie in Moabit sind

Der inoffizielle Bürgermeister von Berlin, Kapitän Kiez aus Moabit, veröffentlicht unter seiner inoffiziellen Image-Kampagne „Berlin ist Beste“ auf Twitter Kiez-Geschzwitscher. Berlin-Impressionen, Backstage-Fotos aus dem Zirkus und Erinnerungen an den Retro-Lampen-Laden von nebenan, mischen sich zu einer nostalgischen Kiez-Hommage mit Symbol-Charakter. Ehret den Kiez und ihr seid des Kiezes wert – oder nach dem Motto: „Du bist, was du draus machst.“ Hier sind leidenschaftliche Berliner (Menschen) mit Lokal-Patriotismus am Werk.

3. Günther Krabbenhöft – Der Urberliner

Günther Krabbenhöft in Berlin

Melone in Berlin ist Kult und hat einen Namen: KRABBENHÖFT

Der Spirit des Berliner Zeitgeist findet Gestalt in dem viralen Hit und „oldest Hipster of Berlin“ Günther Krabbenhöft. Allein der Name ist so vintage, dass er wieder cool ist. Doch damit nicht genug: Herr Krabbenhöft ist professioneller Koch, war viele Jahre lang als Sterbebegleitung für Aidskranke tätig und arbeitet heute als Werbemodel. Er ist inzwischen 71 Jahre alt. Nach diversen Selfies und Fotografien von ihm in Kreuzberg wurde der „coolste Opa von Berlin“ im Internet von Massenmedien gehyped: Die Cosmopolitan lobte ihn für seinen eleganten Kleidungsstil. Die Huffington Post bezeichnete ihn als „the world’s most fashionable grandpa“. Er gilt als der älteste Hipster Berlins. Dabei stammt er aus Hannover. Aber welcher typische Berliner kommt schon aus Berlin. Auf seinem Instagram-Account könnt ihr euch ein paar Mode-Ideen abschauen.

4. Thomas Kakareko – Der Typ mit den geilen Bildern aus Berlin

Berlin Kakareko

Berlin hat viele Gesichter. Thomas findet die schönsten mit seiner Kamera – #zumverlieben

Kaum jemand kennt ihn, doch alle folgen ihm: Thomas Kakareko aka @thomas_k publiziert auf Instagram regelmäßig krasse Bilder zum Neuverlieben in die Hauptstadt. Wer Berlin kennt und seine Bilder betrachtet, erwischt sich regelmäßig bei einem wiederkehrenden, inneren Monolog: „Ist das wirklich Berlin? I love it!“ Die Zahlen geben ihm recht. Thomas Kakareko folgen über 595.000 auf Instagram und belegt damit Platz 20 der größten deutschen Instagrammer aller Zeiten. Wer noch immer keinen Instagram-Account hat, ist spätestens jetzt selber schuld.

5. Rolf Krauthausen – das Berliner Brain für digitale Kultur und soziale Fragen

Krauthausen aus Berlin für inklusion

A wheelchair ain’t mean nothing: Krauthausen weiß mehr als du und macht die Welt zu einem besseren Ort.

Manche kennen ihn aus Video-Clips von der re:publica, noch weniger als Aktivisten für #disability rights. Doch Rolf Krautkausen ist eine Berliner Legende und er nutzt Twitter! Während manche zuerst den Rollstuhl sehen, in dem er sitzt, wünschen sich die meisten seine Insights zur Social Media-Kommunikation. Manchmal etwas frech, aber immer entschlossen, setzt er sich multimedial, und besonders auf Twitter, für Menschen mit Behinderung ein. Ein Berliner Held mit einer Mission.

6. BVG – das Herz der Berliner Social Media Community

Fahrgäste der BVG werden auch immer dreister

Originelle Camouflage-Muster und perspektivisch krumme Brandenburger Tore am Fenster (#obviousinsider): Die BVG weiß, wie man Aufmerksamkeit generiert.

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben es verstanden. Die Menschen in Gelb mit dem allgegenwärtigen Loveheart wissen, wie wir ticken und was wir brauchen: Liebe. Und weil sie uns lieben, geben sie nicht nach. Ihre Liebesbotschaft ist konsistent und unnachgiebig. Sie wissen, wie sie uns Fahrgäste an der Haltestelle und mit eigenem Print-Magazin umwerben, um eine Beziehung mit uns einzugehen. Die BVG hat ihren Finger am Puls der Zeit … not. Oder doch? Während vermutlich nur Touristen vom Land die inszenierten Schnappschüsse mit den „Gesehen in …“ -Botschaften abkaufen, regen sich die sophisticated Berliner über den offensichtlichen Bad Taste in Sachen Markenkommunikation auf. Was den meisten Selfmade-Experten entgeht: Während sie die intimen Liebeserklärungen und die „Is mir egal“-Botschaft für unglaubwürdig befinden, hat sich die Öffentlichkeit noch nie so sehr mit einem ÖV-Dienstleister auseinandergesetzt. Ob bewusst oder ungewollt initiiert: Polarisierung ist immer gut. Sie erreicht Lisa vom Land ebenso wie Kevin aus Kreuzberg. Wenn Fremdschämen Spaß macht, sind schließlich alle happy und die Marke ist emotional präsent.

Foto 1: Sebago CC-BY-SA 4.0

Foto 2: Sir James CC BY-SA 3.0

Foto 3: ClkerFreeVectorImages CC0 Public Domain

Foto 4: diddi4 CC0 Public Domain

Foto 5: George Hoden CC0 1.0

Foto 6: Nick Sherman (CC BY-NC-SA 2.0)

Beitragsbild: Yoel Ben-Avraham (CC BY-ND 2.0)