Wer kennt sie nicht? Die netten Herrschaften, die von Tür zu Tür wandern und über Gott reden möchten. Dabei wollen sie den Leuten die Augen öffnen und ihre Zeitschriften „Wachtturm“ und „Erwachet“ verkaufen. Die Rede ist von den Zeugen Jehovas. Eine religiöse Gruppierung der christlichen Kirche, die in Deutschland oft als Sekte bezeichnet wird. Jetzt haben die Jehovas Zeugen ein Video veröffentlicht, in dem sie gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen hetzen. Das Extreme dabei ist, dass sich das Video vorrangig an Kinder richtet.

von Chiara Ksienzyk

„Jehova möchte, dass wir glücklich sind“

Ein kleines Mädchen kommt von der Schule nach Hause und berichtet ihrer Mutter fröhlich, dass in der Schule Bilder von der Familie gemalt wurden. Ihre Freundin habe auf ihrem Bild zwei Mütter gezeichnet. Das Mädchen erzählt, dass ihre Lehrerin gesagt hätte, dass es nicht wichtig sei wen man liebt, solange man dabei glücklich ist. Ihre Mutter entgegnet: „Die Menschen wollen selber entscheiden, was richtig und was falsch ist, aber das einzig wichtige ist, was Jehova denkt. Er möchte, dass wir glücklich sind und deswegen hat er die Ehe erfunden so wie sie ist.“ – mit Mann, Frau und Kindern.

Harmagedon naht

Die Zeugen Jehovas wurden Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika gegründet. Ihre Lehre ist an die Bibel angelehnt, jedoch beten sie zu dem allmächtigen Gott Jehova. Sie glauben, dass es einen endzeitlichen Krieg (Harmagedon) geben wird, bei dem nur die überleben, die den strengen Regeln Jehovas folgen. Danach soll eine 1000-jährige Herrschaft ihres Gottes anbrechen, bei der er ihnen ein Paradies erschafft. Die Zeugen Jehovas feiern keine Geburtstage oder Weihnachten. Derzeit soll es laut der offiziellen Website der Gruppe weltweit etwa 8 Millionen  „Verkündiger“ geben.

Homosexualität ist vergleichbar mit Terrorismus

Das Video ist als Zeichentrick animiert, damit schon die ganz Kleinen verstehen, was richtig und was falsch ist. Die Stimme der Mutter geht bei der Erkenntnis des Mädchens, dass ein Mann und eine Frau in eine Ehe gehören ganz freudig nach oben. Sie ist fast schon übermotiviert, ihrer Tochter zu erklären was es damit auf sich hat.

Die Gruppierung spricht sich deutlich gegen Homosexualität aus. Auf die Frage „Bin ich homosexuell?“ wird auf ihrem Internetportal erklärt, dass es oft nur eine Phase sei, die sich mit eisernem Willen, gut unterdrücken lasse.

„Was die Bibel sagt, ist alles andere als unvernünftig. Von Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen fordert sie im Grunde dasselbe wie von Heterosexuellen: Lasst euch unter keinen Umständen zu sexueller Unmoral verleiten!“

So erklärt auch die Mutter dem kleinen Mädchen, dass Homosexualität etwas Schlimmes sei. Sie erzählt, dass es genau das gleiche sei, als wenn jemand etwas Verbotenes mit in ein Flugzeug nehmen wolle. Diese Person dürfe nicht ins Paradies. Damit soll den Kindern unmissverständlich klar gemacht werden, dass gleichgeschlechtliche Liebe schlecht ist, so wie Terrorismus. Dieser Vergleich funktioniert nicht, da das erste eine moralische Vorstellung ist, das andere ein Gesetz.

Da sind sie also, die Leute die von Tür zu Tür gehen und uns helfen möchten ins Paradies zu gelangen, aber nur zu bestimmen Bedingungen. Welche diese sind, seht ihr im Video.

 

Video: News2016 Youtube

Bild: Martin Abegglen (CC BY-SA 2.0)