Während Hilary Clinton als letzte Hoffnung für die zukünftige Zurechnungsfähigkeit der USA gehandelt wird, wagen wir den alarmierenden Blick in die Zukunft. Wir haben einen Bericht über Barack Obamas Staatsbesuch aufgegriffen und überlegt, was passieren würde, wenn stattdessen Donald Trump als mächtigster Mann der Welt die Aussagen aus seinem Wahlkampf in Berlin verbreiten könnte. Unser Ergebnis könnt ihr als fiktiven Bericht aus der Zukunft „nachlesen“.

-von Philipp Boelsen

Trump wittert das große Geschäft in Europa

Donald Trump verkündet in Berlin den Anspruch auf eine neue Führungsrolle und eine globale Verantwortung der westlichen Mächte – und beschimpft die Pressevertreter.

In seiner mit Spannung erwarteten Grundsatzrede zeigte sich der ehemalige Demokrat und jetzige republikanische US-Präsident überzeugt, dass nur eine vereinte, westliche Wertegemeinschaft die Herausforderungen des Planeten bewältigen könne. Vor dem Brandenburger Tor sprach sich Donald Trump für ein neues Europa aus, welches zurück zu alten Werten findet. „Wir besitzen ein gemeinsames Erbe. Wir sind eins. Wir sind das Abendland!“, rief Trump der Zuhörermenge zu. Unter verhaltenem Klatschen mischten sich einzelne Pfiffe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten nach ihren ersten persönlichen Gesprächen mit Trump signalisiert, dass sie auf eine gute Zusammenarbeit mit dem US-Präsidenten hoffen. Die Bewältigung der internationalen Flüchtlings-Krise wollen sie dennoch im Rahmen der europäischen Union lösen. Zu einer gemeinsamen Strategie im Kampf gegen den IS wollten sie sich noch nicht äußern.

Trump, der sich bei der Präsidentenwahl am 8. November gegen die Demokratin Hilary Clinton durchsetzte, erinnerte in der 30-minütigen Ansprache an den Fall der Mauer am 9. November 1989. „Vor einigen Tagen, kurz nach meiner Wahl, feierte diese Stadt ein Fest. Ein Fest der Freiheit, der Wiedervereinigung. Den Fall der Mauer.“ An dieses Ereignis dürfe nach Ansicht des Republikaners nicht angeknüpft werden, wenn es um die Zuwanderung aus den muslimischen Ländern geht. „Ihr holt euch Kriminelle und Terroristen ins Land, wenn ihr so weiter macht. Das ganze führt noch in den Ruin.“ Auf Trumps Aussage folgten verstärkt Pfiffe aus der Menge.

„Doch es dürfen keine Mauern zwischen den alten Verbündeten entstehen. Wir sind eine Wertegemeinschaft. Wir brauchen einander.“ Als Herausforderung für dieses Jahrhundert nannte er den Kampf gegen den „importierten“ Terrorismus. „Wir brauchen die absolute Kontrolle zurück über die Menschen, die wir in unsere Länder importieren. Nur so können wir den Westen wieder zur alter Größe verhelfen.“ Unter den kritischen Zuhörern befanden sich auch Fürsprecher von Trumps Politik. „Herr Trump erkennt die Ängste des besorgten Bürgers in einem Land im Notstand. Während viele brüllen „Wir schaffen das?“ muss ich Herrn Sarrazin Recht geben: Deutschland schafft sich ab. Trump legt den Finger in die Wunde.“, erklärt ein älterer Herr im Nadelstreifenanzug und AFD-Button, welcher anonym bleiben möchte.

Zunächst müsse die Ausbreitung der Flüchtlinge verhindert, dann aber an der Reduzierung gearbeitet werden, fuhr Trump in seiner Rede fort. Trump sprach sich auch für eine Zusammenarbeit mit Russland aus. An den Irak sandte er die Aufforderung, den Streit der Vergangenheit ruhen zu lassen und eine Allianz mit den USA gegen den neuen Feind zu bilden. Wenn der Irak seiner Verantwortung nachkomme, dann werde Amerika ihm auch „unter die Arme greifen“. Während seiner Rede zählte der 70-jährige eine Reihe von Zielen auf, die er gemeinsam mit den Europäern bewältigen will. Er nannte dabei zuerst die Sicherheit in den christlich-abendländischen Ländern. „Europa kann diese nicht alleine schaffen. Die Europäer benötigen unsere Truppen und Ihre Truppen, unsere Hilfe und Ihre Hilfe zur Abwehr der islamistischen Kultur und der Terrorgruppe IS. Die Europäer müssen sich mehr denn je als unser gemeinsamer Partner im direkten Kampf gegen den IS begreifen. Unsere Zusammenarbeit ist das, was ich gerne Big Business nenne, ein großes Geschäft für die Freiheit.“ Er scheue dabei nicht vor drastischen Maßnahmen zurück. Waterboarding sei ein legitimes Mittel zum Schutz einer freien Gesellschaft.

Zum Ende seiner Ansprache rief Trump dem Publikum zu: „Ich bin dafür angetreten, Amerika wieder groß zu machen. Ich stehe zu meinem Wort. Ich biete euch an, auf der Gewinnerseite zu sein.“ Merkel hob im Anschluss die Bedeutung einer deutsch- amerikanischen Freundschaft hervor, welche von gegenseitigem Respekt und Vertrauen bestimmt sein muss. Steinmeier sagte nach Trumps Rede: „Ich habe noch mal neu erkannt, dass unsere Philosophie der Außenpolitik „Kooperation statt Konfrontation“ Ziel unserer außenpolitischen Vorstellungen sein sollte.“

Zum Schutz des US-Präsidenten waren in Berlin bis zu 3000 Polizisten im Einsatz. Bei den einzelnen Stationen seines Berlin- Aufenthalts wurde Trump immer wieder von Schaulustigen ausgebuht. Am Rande der Rede nahm die Polizei mehrere Störer und aggressive Demonstranten fest. Trump nahm von dem Eingreifen der Polizei Notiz und verabschiedete sich mit den Worten: „Die ganze Hetze geht auf das Konto dieser miserablen Journalisten und ihrer Lügenpresse. Eigentlich mögen mich die Leute. Ich bin halt ein cooler Typ. Deswegen wurde ich gewählt.“ Trump bleibt einen Tag in Berlin, bevor er nach Kallstadt in der Pfalz fährt. Dort wird er ein kleines Museum für deutsch-amerikanische Migration im Gedenken an seine Großeltern aus dem Ort einweihen.

Bild: Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)