Es ist 19:40 Uhr. Familien, Freundinnen, Jung und Alt sitzen vor dem Fernseher und warten gespannt darauf, was passiert. Ein großes Spektakel ist angekündigt. Wird jemand sterben? Gibt es eine Spontanhochzeit? Wer wird verhaftet? Es läuft die 6000. Folge von GZSZ in Spielfilmlänge.

-von Chiara Ksienzyk

Am Mittwoch dem 18.05.2016. wurde die Serie „Gute Zeiten- Schlechte Zeiten“ 6000 Folgen alt. Oder 24 Jahre und 7 Tage. Nach dieser Zeit ist die Serie immer noch die erfolgreichste Daily Soap im deutschen Fernsehen. Die Seite das Quotenmeter.de spricht von GZSZ sogar als Quotenzugpferd des Senders RTL.

Es geht um das alltägliche Leben der Bewohner vom „Kolleplatz“, in Berlin Mitte. Seit 1992 schalten Zuschauer um 19.40 Uhr ein und erfahren etwas über Freundschaft, Liebe, Feindschaft, Trauer, Treue und Verrat. Außerdem spielen seit Beginn Intrigen und hinterhältige Machenschaften eine große Rolle.

Mord, Entführung und Inzest

Meister dieser Intrigen ist GZSZ Urgestein Anwalt Dr. Jo Gerner (Wolfgang Bahro), der schon seit 1993 dabei ist. Er hat bereits mehrere Menschen erpresst, Millionen von Geldern veruntreut und einige Entführungen zu verantworten. Der Berufsverband für Rechtsjournalisten e.V. hat errechnet, dass der beste Anwalt im deutschen TV, bei Höchststrafmaß mit knapp 200 Jahren Gefängnis rechnen müsste. Trotzdem schafft er es immer wieder seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

In der 6000. Folge ging es um den Tod von Dr. Frederic Riefflin (Dieter Bach), der unwissentlich eine Affäre mit seiner Tochter hatte. Das Inzest-Drama wurde in den Medien breit diskutiert und brachte der Sendung sowohl positive als auch negative Kritik. Natürlich hat auch Dr. Jo Gerner wieder seine Finger im Spiel.

Warum ist die Serie für Zuschauer so wichtig?

Gute Zeiten Schlechte Zeiten ist mit den Jahren zum Kult geworden, an dem fast niemand vorbei kommt. Jeden Abend läuft in ca. 2,5 Millionen deutschen Haushalten um 19:40 Uhr RTL, auch wenn es kaum einer zugeben möchte. Wichtig dabei ist und bleibt die Identifikation mit den Figuren und ihren Problemen. Wer kennt das nicht: Die Zicke, die mir den Freund ausspannen will, oder Probleme im Beruf. Bei GZSZ werden für 35 Minuten jeden Abend die eigenen Sorgen vergessen.

Außerdem bietet die Serie Inhalt zum lästern. Da wäre zum Beispiel die zickige Emily mit ihren falschen Fingernägeln, die immer das haben will, was sie gerade nicht hat. Oder die dauerhaft leidende Jasmin. Oder das Phänomen, dass Charaktere die aussteigen, nie wieder erwähnt werden. Zum Beispiel hat die langjährige Rolle des John Bachmann eine noch lebende Mutter, Schwester und einen Bruder. Wo die hin sind, weiß keiner so genau…

Es nimmt wohl kaum einer die Charaktere und Geschichten wirklich ernst. Geguckt wird es trotzdem, um zu sehen wie es weiter geht. Oder um sich über die mittelmäßige Schauspielleistung und das unkreative Drehbuch aufzuregen. Irgendein Anreiz GZSZ zu schauen wird immer gefunden. Selbst nach wochenlanger Pause hat sich im GZSZ-Universum so wenig verändert, dass es leicht ist, sich immer wieder in die Geschichte rein zu finden.

Ein weiterer Faktor ist der Kult und die Tradition. Wer schon Jahre lang die Serie guckt, hört damit auch nicht wieder auf. Kinder sind mit den Charakteren groß geworden und Zuschauer haben Serienfiguren durch gute und schlechte Zeiten begleitet. So wie das im echten Leben auch ist. Nur mit mehr Drama, Intrigen und einem dazu passenden Titelsong.

https://www.youtube.com/watch?v=qA6zM3fz43A

Bild: Cristiano Sabbatini, (CC-BY-ND 2.0)
Video: Nan Do, Youtube