Feste sind Ausdruck einer Kultur, ihrer Werte und Identität. Traditionen verändern sich – und mit ihnen auch eine Gesellschaft. Warum und wohin wir uns entwickeln im Überblick.

-von Philipp Boelsen

Nach dem Fest ist vor dem Fest und zwischendrin suchen viele in ihrem Kalender nach dem nächsten Feiertag.  Jeder wünscht sich etwas Freizeit mit ein bisschen festlicher Stimmung. Dabei gilt Weihnachten als das Highlight für die besinnliche Freizeitgestaltung, dicht gefolgt von Ostern mit einem Hauch von „irgendetwas mit Tradition und ganz viel Schokolade“. Der Rest wirft alle Jahre wieder ähnliche Fragen auf: „Fällt der Tag auf ein Wochenende? Gibt es einen Brückentag? Wie wird das Wetter? Ist das auch wirklich ein gesetzlicher Feiertag? Muss ich jemandem etwas schenken?“
Laut der faz bezeichnen sich nur noch 14 Prozent der 18 bis 29 Jährigen als tief religiös. Während Oma und Opa sich über die Kommerzialisierung religiöser Feste beklagen, postet Generation Y 24 Tage lang selbstbewusst Selfies mit adventlichem Content. Irgendwo dazwischen befindet sich ein relevantes Fest für uns alle.

Feste sind auch nur Tage- oder Gelegenheiten

Die Industrie schenkt den religiösen Festen regelmäßig ihre Aufmerksamkeit, um von der Lebenseinstellung der Zielgruppe auf das Verbraucherverhalten zu schließen. Das Online-Portal Mein Deal hat im Rahmen einer Umfrage festgestellt, dass obwohl gut 80 Prozent der Bevölkerung zu Ostern nicht in die Kirche geht. Zeitgleich kaufen 62,9 Prozent der Befragten Geschenke aus dem Anlass des religiösen Festes. Scheinbar ist es die Industrie, welche an den Feiertagen für die Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Dabei entstehen zusätzlich künstliche Anlässe zum Schenken wie der Valentinstag und der Black Friday durch Werbung und Aktionen. Wenn die inneren Überzeugungen der Verbraucher das Fest nicht definieren, dann verschiebt sich der Fokus eben auf die materiellen Angebote der Industrie.

Religiöse Institutionen verlieren ihre Relevanz. Vielmehr sucht die Gesellschaft nach einem gemeinsamen Wertekanon, welcher losgelöst von der Institution inmitten einer unberechenbaren Welt zwischen Terror und Wirtschaftskrise Stabilität verspricht. „Generation Mainstream“ betitelt das Sinus Institut die jungen Erwachsenen von morgen. Eine neue Sinus-Studie offenbarte das Bedürfnis nach einer „bürgerlichen Normalbiografie“ unter den Jugendlichen. Alle Hinweise deuten auf ein zunehmend konservatives Selbstbild der jungen Generationen. Dabei zählt weniger ein ideologisches Weltbild, als vielmehr die eigene Geschichte in einem stabilen, sozialen Miteinander – ein ganz normales Leben ohne viel Aufregung.

Deswegen Instagram, Facebook und Co.: sozial, erzählend und selbstbestimmt. Feiertage sind inzwischen zu einem potentiellen Highlight für das instant Storytelling geworden – kein Fest, sondern eine Gelegenheit für ein neues Kapitel in der Normalbiografie.

Foto: Skeezix1000 (CC BY 2.0)