„Solange man Spaß daran hat, ist es auch nicht wirklich Arbeit “ – Carla Thöne

-Von Yagmur Cellik

Immer mehr junge Kreative zieht es nach Berlin. Schon seit einigen Jahren versucht sich das „Dicke B“ als Modemetropole zu etablieren. In BeFemale interviewt Yagmur Cellik jede Woche Frauen, die Berlin als Standort für ihre kreative Selbstverwirklichung gewählt haben.

 

Heute ist die 25-jährige Bookerin, Stylistin und Wahlberlinerin Carla Thöne an der Reihe.

 

Carla, was hat dich nach Berlin getrieben?

Carla: Lustigerweise mochte ich Berlin vorher gar nicht. Ich habe mich früher immer gegen Berlin gesträubt, weil es so ein riesen Hype darum gab. Aber ich war mit meinem damaligen Freund für ein langes Wochenende hier und habe mich in diesen vier Tagen unsagbar in diese Stadt verliebt. Zu der Zeit habe ich noch in Wien gewohnt und Wien war mir einfach zu glatt. Berlin hat vom Außenbild viel kreativer gewirkt. Die Stadt gibt einem viel Input und ist sehr international. Dadurch, dass ich auch einen großen sprachlichen Background habe und es immer mein Traum war international zu arbeiten, habe ich auf mein Bauchgefühl gehört: „So du hast jetzt deinen Abschluss, du ziehst jetzt nach Berlin!“. Das ist alles in einer Woche passiert.

Du arbeitest als Booker in der Modelagentur Ixme Aydiho und bist nebenbei noch als Stylistin tätig. Wie kam es dazu, dass du Stylistin wurdest?

Carla: Eigentlich eher durch einen Zufall. Meine beste Freundin ist Fotografin und hat mich einmal als Assistentin angefragt, weil ihre eigentliche Assistentin an diesem Tag abgesagt hatte. Es ging um eine Strecke für das Splendor Magazine, die damals neu entstanden ist. Im Enddefekt ist die Assistentin aber doch erschienen. Um mich nicht als Ballast dastehen zu lassen und mich ihrem Team vorzustellen, hat sie mich dann als ihre Stylistin mitwirken lassen. Bei der Strecke geht es darum, dass die Models ihre eigenen Klamotten tragen und auch in ihren eigenen Wohnungen fotografiert werden. Das heißt es bedarf keiner großen Vorbereitung. Ich liebe die Kleiderschränke anderer Leute. Deswegen war das ein schöner Zufall. An diesem Tag habe ich gemerkt, dass es mir unsagbar viel Spaß macht den Look anderer Menschen zu verstehen und umzusetzen.  So hat es sich dann weiter entwickelt, und ich habe regelmäßig für diese Strecke das Styling gemacht. Irgendwann kamen dann auch Anfragen von außerhalb für andere Projekte.

 

Du hast vor einigen Wochen dein erstes Styling für ein Musikvideo der Band Black Chai Stevia gemacht. Wie hat sich dieser Auftrag ergeben und inwiefern unterscheidet er sich von Modeshootings?

Carla: Das eine Bandmitglied ist ein sehr guter Freund meines Bruders und hat meinen Bruder gefragt, ob er jemanden kennt, der sich mit Styling auskennt bzw. wie man an solch eine große Menge an Klamotten für den großen Cast des Videos kommt. Mein Bruder hat mich dann einfach an die Band weitergeleitet. Es hat sich sehr von der Arbeit an Modestrecken unterschieden, weil es zum großen Teil keine Models waren. Models sind es gewohnt andere Klamotten anzuziehen und zu verkörpern. Das heißt man muss nicht nur den Stil des Musikvideos aufgreifen, sondern auch einen Look finden, in denen sich die Leute vor der Kamera wohlfühlen. Trotzdem sollte jede einzelne Person einen Look bekommen, der zu ihr passt, aber sich auch im Gesamtlook wiederfindet. Für mich war die größte Herausforderung mehrere Menschen gleichzeitig zu stylen und die große Masse an Klamotten zu organisieren. Es ist eine ganz andere Vorbereitung als die für ein Fashionshoot hat, wo es wirklich allein um die Klamotte geht. Bei so einem Projekt muss man eher versuchen den Look bzw. das Gefühl eines Musikvideos rüberzubringen.
 

Viele Kreative haben mehrere berufliche Persönlichkeiten in Berlin. Manch ein Model ist beispielweise am Wochenende als DJ oder auch als Fotografin tätig. Dir geht es als Stylistin und Booker nicht anders. Wieso entspricht dieses facettenreiche, kreative Berufsbild hier der Normalität?

Carla: Ich glaube es hat viel mit Leidenschaft zu tun. Allein alles unter einen Hut zu bekommen und nicht die Standartwoche mit 38,5 Stunden zu haben, dazu gehört viel Leidenschaft  und Disziplin. Die Kreativbranche ist so eine große Blase. Man trifft ganz viele Menschen die in ihr arbeiten und entwickelt sich zusammen weiter. Allein diese ganze Stylingsache hätte sich gar nicht ergeben, wenn meine Freundin mir nicht die Möglichkeit und den Anstoß als Fotografin gegeben hätte. In der Kreativbranche entwickeln sich die Menschen miteinander weiter und pushen sich in verschiedene Ecken, die dann einfach ausprobiert werden. Nicht jeder macht es sein Leben lang, manchmal ist es nur eine Phase in der man sich ausprobiert und die einfach Spaß macht. Solange man Spaß daran hat, ist es auch nicht wirklich Arbeit. Der Mensch erfindet sich ganz oft in seinem Leben neu und ich finde es schön, dass man in der Kreativbranche  alle diese Phasen mitnehmen kann. In Berlin gibt es viele Freelancer und es gibt keine Bindung  an den Arbeitgeber. Ich  kann morgens selbst entscheiden, woran ich tagsüber arbeite. Ich möchte an einem Tag das eine machen und am anderen das andere. Wer verbietet einem das schon? In  Berlin gibt es keine Grenzen.

 

Carla, die Temperaturen steigen. Was sind deine Lieblingsklamotten im Frühjahr?

Carla: Weiße Sneakers gehen immer in Berlin. Ich bin gerade ein absoluter Freund von Materialmixen und Stoffhosen. Ich ertappe mich gerade dabei, wie ich meinen ganzen Kleiderschrank in Hell und Pastell umwandle. Einfach den Frühling wieder in den Kleiderschrank reinlassen!

Bild: Carla Thöne