„Selfapy“ bringt die Psychotherapie ins Netz

In Deutschland nimmt sich alle 53 Minuten ein Mensch das Leben. Eine Depression oder eine andere psysische Erkrankung ist häufig die Ursache. Durch eine Therapie kann gegen die Erkrankung vorgegangen werden. Kati Bermbach und Nora Blum aus Berlin holen mit ihrem Startup „Selfapy“ die Psychotherapie ins Internet. Der Zugang zu professioneller Hilfe soll damit erleichtert werden.

-von Franziska Groß

Bitte Platz nehmen

Der klassische Therapiestuhl des Psychologen wird in die digitale Welt verschoben. Ein Fall für die Couch wird zum Fall für das Internet. Die Mimik und Gestik spielt keine Rolle mehr. Willkommen auf der Plattform „Selfapy“.

Im vergangenen August haben zwei Psychologinnen das Startup in Berlin-Kreuzberg gegründet. Kati Bermbach und Nora Blum, beide 24 Jahre alt, entwickelten ein Konzept für eine Online-Therapie. Ohne Wartezeit können die Betroffenen sich Hilfe suchen, denn Therapieplätze sind in Deutschland schwer zu bekommen. Wer nicht als akut gefährdet gilt, wartet im Schnitt mehrere MonateDieses Problem macht sich das Startup zu nutzen und entdeckt den Markt für sich. Mit „Selfapy“ kann die lange Suche nach Therapieplätzen sinnvoll überbrückt werden.

Ein Weg aus der Traurigkeit

Aktuell bieten die Psychologinnen den neunwöchigen Kurs „Raus aus der Traurigkeit“ für Depressive an. Die Betroffenen erhalten wöchentlich Zugang zu Übungsmodulen, die Informationen und interaktive Übungen enthalten. Gemeinsam mit dem Psychologen werden Methoden zur Bewältigung von negativen Gedanken gefunden. Zusätzlich wird einmal die Woche ein 45-minütiges Telefonat mit einem studierten Psychologen geführt. Der Online-Kurs kostet 125 Euro. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht, da die Wirksamkeit der Online-Therapie noch nicht wissenschaftlich belegt wurde.

Chancen für die Zukunft

Vielen Betroffenen könnte durch die Online-Therapie frühzeitig geholfen werden, bevor die Depression chronisch wird. Außerdem ist die Therapie durch das Internet anonymisiert. Krankheiten wie Depressionen, Burnout oder Angststörungen sind in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Die Gründerinnen betonen allerdings, dass sie mit ihrer Plattform die klassische Psychotherapie nicht verdrängen wollen. Der persönliche Kontakt und die langfristige Unterstützung durch einen Therapeuten sind für Betroffene äußerst wichtigDas Startup ist eine Möglichkeit, um der Wartezeit zu trotzen und in ersten Schritten gegen die Depression zu kämpfen. Vielleicht lassen sich von dieser wohltätigen Idee in naher Zukunft andere Existenzgründer inspirieren. Dann wird der Mausklick in ein besseres Leben für Betroffene verschiedener Erkrankungen bald zur Realität.

Foto: DanielZanetti (CC BY-SA 3.0)