von Meli Gerges

 

Wenn es in Hollywood kein spannendes neues Material gibt, bedient sich die Filmindustrie häufig der Klassiker. Mal ist es die Menschenverfilmung eines Animations Hits wie in „Das Dschungelbuch“. Mal eine Fortsetzung wie „Die Monster Uni“ oder „Finding Dory“. „The Huntsman and the Ice Queen“  vereint nun all diese Tricks, um Altes wieder aufzufrischen.

Das Ergebnis ist die Geschichte des Huntsman Eric (Chris Hemsworth), der im Vorgänger „Snow White and the Huntsman“ Schneewittchen darin unterstützt, die böse Königin Ravenna (Charlize Theron) zu stürzen. Ravennas Schwester Freya (Emily Blunt), die nach dem Tod ihres Kindes zur scheinbar herzlosen Eiskönigin wurde, ist für das Schicksal des Huntsman verantwortlich. Denn sie entriss diesen, gemeinsam mit anderen Kindern, seiner Familie, um aus ihm einen Soldaten zu formen. Das einzige Gesetz in ihrem Regime: „Liebe ist eine Lüge“. Es kommt wie es kommen muss und das Gesetz wird gebrochen, denn Eric verliebt sich in Huntswoman Sara (Jessica Chastain). Ihr Plan, gemeinsam zu fliehen, wird aber von der Eiskönigin durchkreuzt und es kommt zu einem Kampf, in dem Eric mit ansehen muss, wie Sara ermordet wird.
Sieben Jahre vergehen, in denen die Handlung aus „Snow White and the Huntsman“ stattfindet. Nach Ravennas Tod verschwindet  ihr magischer Spiegel, der in den falschen Händen das Königreich in Gefahr bringen könnte. Gemeinsam mit seinen beiden Gefährten, den Zwergen Nion (Nick Frost) und  Gryff (Rob Brydon), soll Eric den Spiegel vor Freya finden, die mit diesem ihre Macht stärken will. Dabei bekommt er unerwartete Unterstützung.

Schneewittchen fehlt

In „The Huntsman and the Ice Queen“ wird schon im Titel deutlich, dass die Hauptfigur des ersten Teils fehlt. Denn Schneewittchen, gespielt von Kristen Stewart, sieht man nur in Rückblicken und einmal von hinten. Nach dem Skandal im Jahr 2012, als die Öffentlichkeit von ihrer Affäre mit dem Regisseur des Films Rupert Sanders erfuhr, war die geplante Fortsetzung mit ihr in der Hauptrolle gestrichen. Stewarts Fehlen schadet dem Film aber nicht, denn bereits im ersten Teil galt der Huntsman als Sympathieträger und verlangte nach einer Hintergrundgeschichte. Zusätzlich wird Stewart durch starke weibliche Haupt- und Nebenrollen ersetzt, die in „The Huntsman and the Icequeen“ den Ton angeben.
So besiegt Sara im Training alle Männer und gibt ihnen Tipps, um besser zu kämpfen. Die Zwergenfrau Mrs. Bromwyn (Sheridan Smith) zeichnet sich durch ihre Abenteuerlust aus und zeigt ihren männlichen Begleitern, wie der Hase läuft. Auch Emily Blunt, die in ihrer Darbietung sogar der Eiskönigin etwas Wärme und Herz verleiht, besticht durch eine starke und zugleich verletzliche Persönlichkeit.

Film erinnert an Blockbuster der letzten Jahre

Trotz der neuen Geschichte, die „The Huntsman and the Ice Queen“ erzählt, kommt der Film wie ein Déjà-vu vor. Immer wieder wirken Szenen bekannt, Schauplätze vertraut und Sätze bereits gehört. Denn der Film erinnert in vielen Szenen an andere Blockbuster der letzten Jahre.
So wirkt die Eiskönigin Freya wie eine ältere und brutalere Elsa aus dem Disney-Film „Die Eiskönigin- Völlig unverfroren“. Auch die starke Beziehung zwischen den Schwestern Freya und Ravenna ähnelt jener von Elsa und Anna.

Zwischen „Eiskönigin“ und „Game of Thrones“

Während Erics Mission, den Spiegel mit seinen Gefährten zu finden und ihn zum heiligen Ort zu bringen, drängen sich immer wieder Vergleiche mit Frodos Reise zum Schicksalsberg auf und bei den Kampfszenen bekommt man das Gefühl, eine abgeschwächte Form von „Game of Thrones“ zu sehen.
Deshalb gibt es auch kaum überraschende Wendungen, die Szenen und Ereignisse wirken vorhersehbar und lassen keinen Spannungsaufbau zu. Die Mischung aus verschiedenen Genres macht es auch schwierig, den Film einem bestimmten Publikum zuzuordnen. Für Kinder ist er zu brutal und anzüglich, die Disney-Film ähnliche Moral des Films für Actionfans aber zu kitschig. Fans des ersten Teils werden von der Fortsetzung aber nicht enttäuscht sein. Zwar fehlt es an richtigen Spannungsmomenten, der Film besticht aber durch beeindruckende Bilder und starke weibliche Hauptfiguren.

Kinostart ist am 21. April 2016