Sozialsenator Mario Czaja möchte die Flüchtlingsunterkunft in der Thielallee in Dahlem zum „Campus der Integration“ ausbauen. Sein Konzept sorgt bei den Anwohnern für Diskussionen.
– Von Johann Philipp

Bisher leben knapp 350 Menschen in der Flüchtlingsunterkunft im Berliner Südwesten. Hauptsächlich Familien aus Afghanistan, Syrien und dem Iran. Das Zusammenleben klappt gut, berichten die Anwohner. Doch nach dem Umbau, sollen bis zu 1000 Flüchtlinge auf dem Campus leben – das scheint für einige Nachbarn zu viel.

Schule, Kita, Wohnungen – alles an einem Ort

Bei einer Bürgerversammlung stellte Czaja sein Konzept vor: Das Gelände an der Thielallee ist 23 Hektar groß, gehört dem Bund und grenzt direkt an das Uni-Gelände der FU. 25 Gebäude stehen darauf, die meisten sind leer. Das Land Berlin soll neun Gebäude übernehmen und umbauen. Geplant sind eine Schule, eine Kita, ein neues Erstaufnahmelager und Wohnungen.
„Die Flüchtlinge sollen in unterschiedlichen Stadien des Ankommens untergebracht werden und voneinander lernen“, erklärt Czaja dem rbb. Der große Vorteil sei, dass alles an einem Ort ist. „Ein Ortswechsel würde vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die eine Schule oder Kita besuchen, die Integration erschweren“ betont er.

Der Kiez in Gefahr

Berlin-Dahlem gehört zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins. Teure Villen und große Parks prägen das Bild dieses Stadtteils. Tatiana Brasching ist Redakteurin bei radioBERLIN, wohnt in der Nähe der Thielallee und war bei der Präsentation des Konzepts dabei. Sie berichtet, dass einige Anwohner den Kiez in Gefahr sehen: “1.000 Menschen – das ist wie ein Ghetto“, kritisiert ein Besucher der Bürgerversammlung. Eine Frau meint: „Ehrlich gesagt bin ich auch dagegen. Ich glaube, dass die Nachbarschaft das nicht stemmen kann.“
Doch es gibt auch Befürworter, die meinen: „Wo, wenn nicht hier, wo so viel Platz ist, könnten die Flüchtlinge unterkommen?“, und: “Wir sollten nicht immer nur an uns denken, denn wir leben hier wie die Made im Speck.“

Die ersten Baumaßnahmen auf dem Gelände laufen schon. Wann es fertig sein wird und wie viele Flüchtlinge endgültig dort wohnen werden, steht noch nicht fest.

(Bild: ekvidi, CC-BY-NC 2.0)